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Clubfrauen – Rückblick

Clubfrauen – Rückblick, Anmerkungen, Fragen, Ausblick & Wettervorhersage

Nürnberg, Pfingstmontag, 15:30 Uhr – die Sonne und insgesamt 1805 Fußballherzen lachen im Max-Morlock-Solarium zum Saisonausklang der 1. Frauen Bundesliga gegen den MSV Duisburg trotz bereits feststehenden Abstiegs um die Wette.

Vom Anpfiff weg – ausgeschlafen und hellwach – ja, so kann es gehen. Nach 17 Sekunden stand nur der rechte Torpfosten einer frühen Clubführung im Weg.

Gute FCN Torchance auch ganz zum Ende der ersten Halbzeit, als die Gästekeeperin gut parierte. Da waren einige Besucher schon unterwegs zum Getränkeausschank und man hätte eine Erstliga-Torpremiere nicht fotografisch festhalten können. Der Getränkeverkauf hatte Hochkonjunktur. Es bildeten sich schnell Schlangen. Die Wartezeit hielt sich im akzeptablen Bereich.

Sonnenhüte, kurze Hosen, Sonnenbrillen, kurzärmelige Hemden und T-Shirts in den Blöcken. Was bleibt von all dem einige Tage später? Auf jeden Fall gut gebräunte Arme und Gesicht. Plus die Erinnerung an den ersten und einzigen Heimsieg im letzten Saisonspiel. Ein 2-1 gegen die Zebras aus Meiderich. Somit bewahrheitete sich die kunstvoll gestaltete Aufschrift auf der FCN Eintrittskarte „Hier regiert der FCN!“ in diesem letzten Heimspiel und bildete einen versöhnlichen, sommerlichen Saisonausklang.

Beruhigende News: Am Tag nach dem Spiel ging es der ausgewechselten Clubkeeperin Paulick wieder gut. Der Turban war ab und es wurden Pläne für den Besuch der Erlanger Bergkirchweih geschmiedet.

Ob der Stadionsprecher noch von seinen Aufgaben entbunden wird, das wird sich noch zeigen. Jedenfalls wurde vollmundig ihre unverzügliche Untersuchung im Krankenhaus angekündigt und ausgerufen. Drei Minuten später kam dann glücklicherweise eine wohl bekannte Person im gelben Torwartdress mit weißem Turban auf die Auswechselbank des Achtecks. Aber dies waren noch nicht alle Besonderheiten an diesem denkwürdigen Fußballtages.

Energieverbrauch reduzieren ist eine wirksame Methode für die Klima- und Geldbeutelschonung. So viel steht fest. Im Großen wie im Kleinen. Für Privatleute wie für Fußballclubs. Wenn es konkret wird, dann zeigen sich die Besonderheiten der Profifußball-Branche. Denn es gibt Fernsehverträge. Um optimale TV-Bilder erstellen zu können und beispielsweise optisch möglichst einheitliche Fernsehbilder bei Konferenzschaltungen zu gewährleisten werden doch tatsächlich einige Scheinwerfer an den Flutlichtmasten angeknipst.

So geschehen auch am Pfingstmontag. Gibt es denn wirklich so wenig technischen Fortschritt bei den Sky TV Kameras? Eigentlich sollten sich kleinere, optische Unebenheiten doch ausgleichen oder hier und da vorhandene „Schattenwürfe“ technisch digital verringern lassen? Halt ohne hier zwingend den einfachen Weg zu gehen und bei strahlendem Sonnenschein auf Bitte der TV-Regie Teile des Stadion-Flutlichts auf „Trainingsbeleuchtung“ einzuschalten.

Bewegen wir uns bzw. der Club sich da in die richtige Richtung? Hauptsache wir bewegen uns. Stillstand ist Rückschritt. Das wusste bereits Herr Meeske.

Dazu müsste man sich halt ab und zu mal von den digitalen Displays lösen, und mal einen Blick in die reale Umwelt wagen.

Vis-à-Vis der Stuhlfauth-Stuben hängt an der Wand des NLZ ein schöner FCN Frauen-Schaukasten. So weit, so gut. Darin wird die Zielstellung bis zum Jahr 2017 dargestellt. Eigentlich denkt man,
dass die Uhren schneller laufen und die Zeit beim FCN nicht stehen bleiben würde. Das ist beim Club aber leider hier und da immer wieder mal der Fall. Die Informationen sind überholt und nicht mehr aktuell.

Einige Bereiche sind zudem komplett leer. Hat der FCN denn nicht mehr zu erzählen? Oder verlagert er alles nur noch in die Onlinewelt? Viele große und kleine Leute kommen persönlich da an der Stelle vorbei und könnten informiert werden. Gegenwart, Vision, Herausforderung, kontinuierliche Entwicklung, Begeisterung verbreiten. Ja, letzteres ist durchaus hier und da gelungen, gar keine Frage. Natürlich gab es schöne Momentaufnahmen.

Die Vorgehensweise, hohe Niederlagen wie z. B. in Essen wegzulachen und schnell abzuhaken, ging im Endeffekt jedoch nicht auf. Spätestens beim Rückspiel holten einen Versäumnisse ein und man fuhr ein ähnliches Ergebnis gegen ein grundsolides, aber halt eben auch deutlich erfahreneres Team aus dem Ruhrpott ein. Die Co-Trainerin dort ist z.B. schon über 20 Jahre dabei. Sie hat keinen Knopf im Ohr und kein Tablet in der Hand, sondern ein gutes Gespür für die zwischenmenschliche Interaktion auf und neben dem Fußballfeld. Es gab Tränen und lehrreiche Moment. Lehren daraus ließen sich jedoch nicht immer sofort ziehen. Bemerkenswert auch, wie wenige Spiele es nur bedurfte, um sich die Tordifferenz zu verhageln.

Schade, dass es nicht gelang den Rückenwind von 4-3 Sieg in Köln mitzunehmen. Es war aber auch schwierig, da der Frauen-Erstligaspielbetrieb direkt anschließend für mehrere Wochen ruhte. Nicht unerwähnt bleiben darf die Tatsache, dass hier und da das Verletzungspech zuschlug und insbesondere im Mittelfeld hoffnungsvolle Auftritte in Duisburg und Köln daher die Ausnahmen blieben.

Die Strategie mit der Fokussierung auf die eigene Stärke gemäß dem FCN-Leitbild war allein schlussendlich dann nicht ausreichend für einen Erstliga-Klassenerhalt. Rückblickend war positiv überraschend, wie lange sich die Clubfrauen im Saisonverlauf die Chance auf den Klassenverbleib erhalten konnten. Damit war vor Saisonstart definitiv nicht zu rechnen.

Der Umgang und die Aufarbeitung von Spielen und Kritikfähigkeit waren mitunter ausbaufähig.

Einiges blieb Stückwerk. Auf und auch neben dem Spielfeld. Online und offline. Die recht rudimentären Spielerinnen-Portraits auf der FCN Webseite oder halt besagter – seit langer Zeit unveränderter – Schaukasten.

Die weiteren Aussichten: heiter bis wolkig.

Berufliche, sportliche, gesundheitliche Gründe führen zu größeren Veränderungen im Bundesligakader der 1. FCN Frauen. Langjährige, konstante Spielerinnen wurden nochmal in die Luft geworfen – hängen ihre Fußballschuhe an den Nagel und auch die Winterneuzugänge wird man nicht mehr im Club-Trikot sehen.

  • Wird es eine gelungene Saisonvorbereitung geben?
    Wird die Integration der Neuzugänge rasch und gut gelingen?
  • Kann der Club nach dem Abstieg die Favoritenrolle in Liga 2 annehmen?
  • Findet man gut in die Saison und zu Konstanz?

Auch für den Greenkeeper bleibt bis zum Start der Sommervorbereitung 2024/25 noch viel zu tun. Bei morgendlichen Trainingseinheiten hatten doch erstaunlich zahlreiche Nacktschnecken den kleinen Anstieg neben dem Trainingsplatz der Clubfrauen besetzt und als schleimige Rennstrecke ausgewählt.

Daher vermutlich auch dieser schwarze „SCHUH WASCH WASSER BEHÄLTER“ vor einem NLZ-Eingang. Das mag beim Scrabble vielleicht Punkte bringen. Es wirft aber auch die Frage auf:
Gibt es dort kein fließendes Wasser? Alternativ könnte man auch Regenwasser sammeln und verwenden.

Professionelle Strukturen sollten stetig verfestigt und ernsthaft weiterentwickelt werden. Möglichkeiten sind hier und da bestimmt vorhanden. Die Kunst besteht auch darin, sie zu erkennen. Rahmenbedingungen sollten nicht nur einfach beibehalten, sondern hier und da auch verbessert sowie angepasst werden.

Mutig zeigte sich der Busfahrer des FC Schalke 04, der sein Gefährt direkt neben dem Trainingsplatz der Clubfrauen zwischenparkte und so überraschende Fotomotive bescherte.

Meppen, Hamburger SV, Andernach, Gütersloh, Mönchengladbach, Ingolstadt und andere warten in der nächsten 2. Frauen Bundesliga Saison.

Viele andere namhafte Vereine haben mit dem Aufbau von Frauenteams begonnen und werden früher oder später auch in höhere Frauen-Ligen streben.

Der eiserne 1. FC Union Berlin, VfL Bochum von 1848, VfB Stuttgart, Fortuna Düsseldorf von 1895, Ballspielverein BvB 09 oder auch der königsblaue S04, um nur einige zu nennen.

Was bleibt zu sagen? DANKE & bis zur neuen Saison!

Autor: Hendrik Schuur
Bildquelle: Hendrik Schuur

   

 

5 thoughts on “Clubfrauen – Rückblick

  • Launiger Rückblick, Danke schön!

    Schade, dass es heute von der Aktualität der Ereignisse überstrahlt wird…

    Was man von den Jungs nicht immer behaupten konnte, trifft auf die Mädels absolut zu: sie haben immer alles gegeben! Die Einstellung der Spielerinnen war immer Top, bei der Einstellung der Mannschaft (also den Vorgaben des Trainerteams) war ich allerdings nicht immer überzeugt. Besonders befremdlich fand ich in den Heimspielen, die ich besucht habe, dass man immer das Gefühl einer seltsamen Hemmung hatte, eigentlich nie sein Spiel durchbrachte. Nur gegen Duisburg lief es dann so, wie es laufen sollte.

    Generell ist mein Fazit der Saison, dass es oft an Durchsetzungsvermögen mangelte, an Präsenz im Mittelfeld. Auch über die Außen konnte man sich einfach zu selten durchsetzen und im Sturm fehlte die Durchschlagskraft. Medina Desic konnte zwar im Zentrum Bälle festmachen und hat dort wirklich Erstligareife gezeigt, aber da fehlte es oft an Unterstützung.

    Gut gefallen hat mir am Ende die erst 17-jährige Marina Scholz, die von der offensiven Position für die letzten beiden Spiele als linke Außenverteidigerin zurückgezogen wurde und dort ein Versprechen für die Zukunft war.

    Auch wenn mich das Trainerteam nicht restlos überzeugt hat, die sportliche Leitung, also Osman Cankaya, offensichtlich schon, zumindest unter gewissen Anpassungen. Jedenfalls wird man mit demselben Team in die zweite Liga gehen, hat aber wohl auch einige Vorgaben für das Trainerteam gemacht.

    Jetzt heißt es, ein starkes Team aufzubauen und die teils schmerzlichen Abgänge, insbesondere der Urgesteine Lea Paulick und Jessica May und der Nationalspielerinnen Arfaoui und Magnusdottir, die eine deutliche Qualitätssteigerung bewirkten, möglichst gut zu kompensieren.

    Schwer wird es wohl insbesondere, die Führungsqualitäten von May und Paulick zu ersetzen.

    Ich freue mich auf die neue Saison, die mit der Zielsetzung des sofortigen Wiederaufstiegs angegangen wird und hoffe, dass wir beim nächsten Mal in der Bundesliga einen passenderen Spielort finden können als das völlig überdimensionierte Achteck. Vorest darf frau ja wieder am Valze antreten…

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  • Joti hat sich beim DFB sehr für die Frauenteams eingesetzt. Und bei seiner Ankunft in Nürnberg auch gleich darauf hingewiesen, dass er selbiges auch beim Club vorhat. An der internen Unterstützung dürfte es somit nicht mangeln.

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  • …so kann’s auch gehen: Der MSV Duisburg hat nach dem Abstieg sein Profi-Team komplett abgemeldet, weil sie nach dem gleichzeitgen Abstieg der Herrenmannschaft in die Regionalliga keine Mittel mehr haben, um die 2. Liga der Frauen zu finanzieren…

    Für mich schwer vorstellbar, weil es dabei ja nur um knapp 100.000 Euro gehen dürfte. Zur Einordnung: der Etat unserer Frauen in der 1. Liga war ca. 500.000 € und soll etwa beibehalten werden. Damit sind wir aber schon ziemlich an der Spitze der 2. Liga. Ja, aber der MSV kämpft wohl derzeit tatsächlich ums Überleben und da zählt dann jeder Euro.

    Finde ich sehr schade, weil Duisburg ja eigentlich eine der Traditionsmannschaften in der Frauen-Bundesliga war. Zwar, wie Frankfurt, zunächst mit einem spezifischen Verein, der dann in den größeren ortsansässigen Profi-Club eingegliedert wurde.

    Natürlich wird sich das Team auflösen. Die starke Torfrau geht zu den Bayern, wir haben mit Meret Günster auch schon eine Mittelfeldspielerin verpflichtet, aber vielleicht sollte man da auch noch mal nachhaken. Die Stürmerin Taryn Ries (9) und im Mittelfeld die Nummern 19 und 7 fand ich auch noch auffällig, außerdem haben sie in der Innenverteidigung auch noch eine 64-fache isländische Nationalspielerin…

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  • Besten Dank für den Rückblick, es ist sehr viel angesprochen worden. Kleine Ergänzung: Beim Umbau der Homepage fielen die Nachwuchsmannschaften der Clubfrauen wochenlang durchs Raster bis man sich (vielleicht auch auf Grund meiner Nörgelei) erbarmt hat, wenigstens die Bilder online zu stellen. Daß die Lebensläufe der Spielerinnen auch heute noch löchrig sind ist bodenlos, denn die wohl sehr große „CSR“-Abteilung beim Club müßte die Frauen ja im Fokus haben, bedenkt man, wie politisch aufgeladen das Thema (leider) ist. Es kann mir doch niemand sagen, daß kein Praktikant mal Zeit hat, beim Training einen kleinen Fragebogen auszuteilen. Vielleicht ist es den Spielerinnen aber auch egal und die sind alle auf INSTA oder TikTok. Das sind Kleinigkeiten, aber sie bleiben – trotz des „Mutig…“ Films – etwas hängen.

    Grundsätzlich ist der Standort Nürnberg beim Fußball immer etwas hintendran, klar, man kann das Geld nicht drucken, aber erstaunlicherweise hat man inzwischen eine Arena und eine Ballsporthalle, nur Stadionfragen werden traditionell (mindestens seit der WM 1974) immer gegen den Trend und etwas unglücklich gelöst. In Frankfurt hat die Stadt Fußballstadien in allen notwendigen Größen, und der „Funke“ springt „Am Brentanobad“ auch bei 2.500 Zuschauern über, wenn man eng am Rasen steht und wenigstens eine Seite eine überdachte Tribüne hat.

    Der Abstieg war jetzt nicht überraschend, und da ich mich nicht in die Reihe der Menschen einreihen möchte die losheulen, wenn man SpielerInnen oder SchiedsrichterInnen kritisiert, muß ich feststellen, daß die Damen nicht konkurrenzfähig waren. Der (erste?) Sieg in Freiburg war ja bspw. ein reines Zufallsprodukt, und wenigstens den Mitabsteiger Duisburg hätte man zum Abschluß noch ein wenig „herspielen“ können. Das muß man schreiben, wenn man die Frauen als Leistungssportler ernst nimmt. Ja, die Schere ist groß, ja, Red Bull und Bayern verballern hier das zigfache, ja, der Einsatz war immer da, aber es reichte eben nicht. Schwamm drüber, Lehrgeld wurde bezahlt, neu angreifen.

    Der Frauenfußball ist ein sonderbares Produkt, dank sei dem DfB, der eine normale Entwicklung lange Jahre verhindert hat. Das naheliegendste Gegenbeispiel dürften die Handballfrauen vom Club sein, die schon in den 1960ern ohne diversity-Gedöns führend waren, bevor auch hier die finanzielle Schere zuschlug. Meine Eindrücke vom (einzigen) Bundesligaspiel in Frankfurt und einigen Spielen im Jugendbereich waren, daß man erstaunlich viele neutrale, fachkundige Zuschauer trifft, das 50+ Publikum das Sonntags zu Amateurspielen geht um ein Bierchen zu trinken und fachzusimpeln. Dann viele Familien, die einen ruhigen Sportnachmittag ohne Pyro und „wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot“ verbringen wollen, aber auch sehr viele Zuschauer, die das ganze politisch sehen. Exemplarisch die „Frauen-Ultras“ der Eintracht, die vermutlich keine eine Spielerin kannten, aber dafür „siamo tutti antifascisti“ skandierten.

    Soll heißen: Frauenfußball ist immer noch keine Normalität. Er müßte noch ein kleines bißchen normaler werden. Ohne so zu werden wie der Herrenfußball. Es sollte einfach egal sein, ob ich Spiele von Boris Becker oder Steffi Graf glotze. Ich hab mal einen Artikel über „Das Geheimnis des Fußballs“ (für Interessierte: System ubw 1/2016, Zeitschrift für klassische Psychoanalyse) gelesen der zur Diskussion stellt, daß der Fußball einen unbewußten Subkontext hätte. Ganz ernst genommen habe ich ihn nicht, aber wenn man die Besonderheiten rund um den Frauenfußball in Betracht zieht, wird wohl doch etwas dran sein.

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    • Das mit den rudimentären Infos selbst auf der Homepage ist mir auch aufgefallen. Bei manchen Frauen steht nicht mal die Größe oder der Geburtsort oder seit wann sie im Verein sind. Das ist tatsächlich peinlich für den Club.

      Aber auch auf Soccerdonna.de (das weibliche Pendant zu Transfermarkt.de) stehen nicht allzuviele komplette Infos. Insgesamt wirkt die Seite bemüht, aber unfertig. Das besteht viel Nachholbedarf!

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