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FCN – Andrea Ceresoli die erhoffte Lösung als LV?

Kurz vor dem ersten Spieltag vermeldet der Club Vollzug auf der linken Verteidigerposition: Von der U23 von Atalanta Bergamo kommt Andrea Ceresoli zum Club. Nach Informationen der Bild Nürnberg bezahlt der FCN eine Ablösesumme im mittleren sechsstelligen Bereich für den 23-Jährigen.

Aufstieg mit Benevento

Ceresoli durchlief alle Jugendabteilungen von Atalanta und war bis zur U17 regelmäßiger Bestandteil der italienischen U-Nationalteams. Für die U23 von Bergamo sowie für zwei Leihvereine kommt er insgesamt auf 122 Einsätze in Italiens dritthöchster Spielklasse. 2024 versuchte er sich bereits an einem Sprung in die Zweitklassigkeit, seine Leihe zu US Catanzaro wurde allerdings wegen zu geringer Einsatzzeiten vorzeitig beendet. Die vergangene Saison verlief für ihn dagegen erfolgreicher, mit seinem Leihklub Benevento schaffte er den souveränen Aufstieg in die Serie B.

Benevento hätte Ceresoli gerne über die Saison hinaus gehalten. Nachdem mit Bergamo keine schnelle finanzielle Einigung zu erzielen war, wurde die Linksverteidigerposition beim Aufsteiger aber anderweitig besetzt.

Variabilität

Ceresoli zeichnet sich unter anderem durch seine große Vielseitigkeit aus. Er kann die Rolle als Linksverteidiger in einer Viererkette ebenso gut ausfüllen wie die des Schienenspielers vor einer Dreierkette, auch als Halbverteidiger in einer Dreierabwehr kam er schon des Öfteren zum Einsatz. Der 23-Jährige ist taktisch sehr gut ausgebildet und verfügt über eine hohe Spielintelligenz, sodass er auch ein und dieselbe Position unterschiedlich interpretieren kann. Während er mit seiner Dynamik grundsätzlich eine gute Option dafür ist, die Tiefe zu attackieren und den gegnerischen Strafraum von der Grundlinie aus zu bedrohen, agierte er in der vergangenen Saison als Linksverteidiger häufiger invers, indem er sich im zentralen Mittelfeld als zusätzliche Anspielstation anbot.

Starke Technik

Im Spiel mit dem Ball sind die größten Stärken des Italieners seine Ballsicherheit und sein technisches Geschick. Zwar ist der linke Fuß sein stärkerer, basierend auf einigen optischen Eindrücken von Spielszenen wirkt er jedoch annähernd beidfüßig. Auch schwierige Zuspiele verarbeitet er technisch einwandfrei. Mit seinem niedrigen Körperschwerpunkt und seinen flinken Bewegungen ist der 1,77-Meter-Mann dabei für die Gegenspieler oft nur schwer greifbar, sodass er sich aus Drucksituationen leichtfüßig befreien kann. Dank seiner guten Spielübersicht ist er außerdem eine Bereicherung für das Übergangsspiel seiner Mannschaft. In jeder seiner Drittligasaisons wies er überdurchschnittlich viele erfolgreiche progressive Pässe auf und kurbelte so das Angriffsspiel seines Teams an.

Begrenzte Offensive

Dagegen ist Ceresoli, anders als sein Vorgänger Yilmaz, kein Spieler, der durch viele progressive Dribblings auffällt. In der vergangenen Saison zählte er hier zu den unteren 30 % aller Linksverteidiger der Serie C. In höherem Tempo tut er sich – defensiv wie offensiv – manchmal schwer damit, sich körperlich zu behaupten. Dementsprechend kann er sich auch prozentual seltener als andere Spieler auf seiner Position im Dribbling durchsetzen.

„Nur“ durchschnittliche Werte erzielte der 23-Jährige als Linksverteidiger bislang außerdem bei seiner Flankengenauigkeit und bei der entwickelten Torgefahr. So ist etwa die Anzahl seiner statistisch erwartbaren Assists nur knapp über dem Mittelwert einzuordnen.

Zweikampfstark

Gegen den Ball zeichnet sich Ceresoli – zumindest im Vergleich mit Außenverteidigern – durch seine gute Zweikampfführung aus. Er geht keinem Defensivduell aus dem Weg und konnte in der vergangenen Saison fast zwei Drittel davon für sich entscheiden, womit er zu den besten 25 % der Außenverteidiger der Serie C zählte. Auch sein Stellungsspiel kann als überdurchschnittlich gelten, wenngleich er in der vergangenen Saison ballbesitzbereinigt deutlich weniger gegnerische Pässe abfangen konnte als in den Jahren zuvor.

Der 23-Jährige verfügt über einen guten Antritt und eine sehr hohe Endgeschwindigkeit, sodass er durchgebrochene Angreifer oft noch einholen kann. Teilweise fehlt Ceresoli in der Defensivarbeit aber noch ein Stück weit die Selbstverständlichkeit, Situationen ohne Foulspiel zu lösen. In der vergangenen Saison bekam er öfter als 75 % seiner Positionskollegen Freistöße gegen sich gepfiffen.

Inverser Linksverteidiger?

Insgesamt bekommt der Club mit Ceresoli einen durchaus vielversprechenden Spieler. Aufgrund seiner technischen Versiertheit und seiner defensiven Zweikampfstärke könnte seine Rolle beim Club möglicherweise darin bestehen, mit und gegen den Ball das Zentrum zu verstärken. Da sein Gegenpart auf der rechten Seite wohl vermehrt Justvan als Breitengeber offensiv unterstützen soll, könnte so die Balance in der Restverteidigung gewahrt werden. In diesem Fall käme auch Ceresolis bislang wenig ausgeprägte Affinität zu vertikalen Dribblings nicht so sehr zum Tragen.

Um Berkay Yilmaz qualitativ gleichwertig zu ersetzen, sind allerdings noch Entwicklungsschritte von Ceresoli nötig. In diesem Fall stehen die Chancen aber gut, dass ihm der Sprung in die Zweitklassigkeit zwei Jahre nach seinem ersten Versuch gelingen wird.

Datenquelle: Wyscout / X: @BeGriffis

Autorin: Pausenpfiff
Bildquelle/Composing

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One thought on “FCN – Andrea Ceresoli die erhoffte Lösung als LV?

  • Die Pausenpfiff-Analyse jedenfalls hat Profil. Sie hilft uns dabei, Profile einzuordnen. Danke dafür.

    Und wenn ich das Profil von Neuzugang Andrea Ceresoli richtig verstehe, dann wäre es nicht in Ordnung, ihn andauernd mit Berkay Yilmaz zu vergleichen.

    Yilmaz war die perfekte Leihe. Diese Kategorie können wir uns wirklich nicht leisten. Selbst wenn, hätte ihn uns der SC Freiburg niemals gegeben.

    Ceresoli hat seine Stärken demnach in der Defensive. Und das ist auch wirklich gut so. Diese Asymetrie zu Janisch/Masouras finde ich schon richtig. Und auch Otto scheint locho-mäßig seine Ausflüge zu machen. Da brauchen wir dem entsprechend eine Absicherung – mit dem schnellen Ceresoli.

    Soweit die Theorie.

    In der Praxis aber ist ein Team wie ein Orchester, dessen Klang auf der Harmonie des Ganzen beruht. Diesen schönen Satz hab ich aus KI geklaut. Frei nach Cesar Luis Menotti.

    Wie schnell das alles harmonieren kann in der Hintermannschaft – das ist und bleibt die spannende und für mich entscheidende Frage.

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