Was ist los mit Sisyphos?
Niemand weiß es, auch kein Philosoph,
antwortet (Club-)Spezi Klaus Schamberger auf die von ihm selbst aufgeworfene – und wohl auch an ihn selbst gerichtete – Frage, warum sich der leidgeprüfte und oft verzweifelte Anhänger des 1. FC Nürnberg in hartnäckiger Treue seinem Martyrium verschreibt, statt die Waffen zu strecken und sich selbst erlösend von der rot-schwarzen Fahne zu gehen (klick). Eine andere – nicht ganz unphilosophische – Antwort könnte lauten: Weil der Clubfan ein Faible für…

…Sisyphos hat, jene beklagenswerte Figur der griechischen Mythologie, die von den Göttern zu der lebenslänglichen Strafe verdammt wurde, einen Felsen den Berg hinaufwälzen zu müssen, der, kaum ist der Gipfel erreicht oder schon früher, wieder ins Tal zurückrollt (klick). Dass Sisyphos das FCN-Emblem…

…als Brandmal auf der Stirn trägt, ist nicht gesichert, aber als Anhänger eines Vereins, der es fertigbrachte, als amtierender deutscher Meister und auch als amtierender Pokalsieger aus der Bundesliga abzusteigen, kann man sich das hautnah vorstellen.
Felsen rauf, Felsen runter,
so klingt seit Jahrzehnten der Refrain der Legende des einstigen deutschen Rekordmeisters, der sich heute Bundesliga-Rekordabsteiger nennt, und diese Legende…
…lebt. Wobei es statt lebt eher lebte lauten müsste, scheint doch die wechselvolle Zeit der Berg- und Talfahrten, in der auf einen Abstieg aus der ersten Spielklasse meist zeitnah der Wiederaufstieg folgte, passé zu sein. Seit wie eine Ewigkeit anmutenden sieben Jahren steckt der Rekordabsteiger, der zugleich Rekordaufsteiger ist, in der zweiten Liga fest und wenig deutet darauf hin, dass es mal wieder nach oben geht. Sisyphos bringt den Felsen nicht vom Fleck, es lauert die Gefahr, dass er ihm entgleitet und bergab Richtung dritte Liga kullert.
Was ist los mit Sisyphos?
Haben ihn die Kräfte verlassen? Hat er keine Lust mehr, weil er weiß, dass seine Anstrengungen eh umsonst sind? Hat Sisyphos…
…aufgegeben?
Das wäre Verrat an seiner Identität und an seinem eigenen Mythos. So jedenfalls in den Augen des existenzialistischen Philosophen und Schriftstellers Albert Camus, der in Sisyphos einen Helden sieht, weil er nie kapituliert, obwohl ihm bewusst ist, dass er immer wieder scheitert (klick). Im letztlich fruchtlosen Immer-wieder-Anfangen, in der permanenten Wiederholung letztlich zweckloser Akte revoltiert er gegen seine Geworfenheit in ein sinnloses Schicksal und findet dadurch zu sich selbst. Sisyphos ist der Held des…
…Absurden und ein Sinnbild des…
…Clubfans, der trotzig nein sagt, wenn man ihm angesichts des glücklosen Ringens seines Vereins um auch nur halbwegs alte Größe rät: Geh doch zu Bayern München! In der Hoffnung auf einen Sieg über den festgeschriebenen Kreislauf des Scheiterns, in der Illusion von der Wiederholung von Triumpfen, an die sich nur noch die Alten erinnern, reckt er die rot-schwarze Fahne in den Wind und probt den Aufstand gegen die Herrschaft der Vergeblichkeit. Er weiß: Seine Hoffnung trügt und seine Illusion ist Verblendung. Er weiß aber auch: Wenn sich Sisyphos nicht mehr regt – und dieser Eindruck verfestigt sich –, ist sein Mythos…
…passé…
…und die Legende…
…tot.
Wohlan, Sisyphos! Wälze den Felsen! Wuchte ihn dem Gipfel entgegen (zurückrollen tut er früh genug…)!
Albert Camus sagt übrigens (klick):
Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.
Als Philosoph muss er es wissen. Ob man auch alles verstehen muss, was ein Philosoph weiß, wissen die…
…Götter.
Autor: belschanov
Dieser Artikel bezieht sich auf folgenden Artikel von Klaus Schamberger: “125 Jahre Welträtsel 1. FCN”.


Wunderbare Text zum neuen Jahr, danke schön!
Da findet man sich wieder als klopfen.
Ach übrigens, ein gesundes und gutes neues Jahr euch allen! Mögen eure Bemühungen auch von Erfolg gekrönt sein und nicht nur von immerwährendem Scheitern wie beim beklagenswerten Sysiphos.
Toll, dass ich auf dem Handy keine Korrektur habe. Da wird aus dem Clubfan ein klopfen…
Genau das ist es. Wir müssen ihn durchbrechen.. Mit Miro nach San Siro!
Hochverehrter Herr Belschanov,
Ich danke Ihnen für diesen Beitrag.
Dieser ist für mich die bislang beste Beschreibung unseres Daseins als Clubfan. Ich verneige mich vor Ihrer Kunst dies in Worte zu fassen.
Genau deshalb bin ich sehr gerne in diesem Forum und schätze mich glücklich immer wieder diese famosen Artikel lesen zu dürfen.
Chapeau !
“… reckt er die rot-schwarze Fahne in den Wind und probt den Aufstand gegen die Herrschaft der Vergeblichkeit.”
Wunderbar! Da erkenne ich mich wieder.
Danke für diesen Text!
Euch allen ein gutes und gesundes Jahr 2026.
Ein gutes neues Jahr wünsche ich allen hier.
Danke @Belschanov für den philosophischen Text zum Leiden eines Clubfans.
Außenstehende müssen sich denken: Ihr seid verrückt, das ihr euch das jede Saison antut. Die Frage ist: Was tun mit fränkischer Vergangenheit und emotionalem Bezug zu Nürnberg? Hier im Forum wurde mal sinngemäß geschrieben: Dann kann ich eigentlich nur die Sportart wechseln! Welcher Verein könnte mir ähnlich nahe sein und ich mich ihm genau so anschließen?
Für mich gilt: Ich bin nicht Clubfan wegen der stabilen guten sportlichen Leistungen, sondern wegen der tollen Fangemeinde. Das wird u.a. hier ja täglich bewiesen.
Mit einem Vereinswechsel würde ich meine Überzeugung verraten und das kommt nicht in Frage. Deshalb bleibt es wohl beim Sisyphos, in der Hoffnung, das der Fels bald mal oben bleibt.
„Wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen.“ Oder sind wir alle nur verzweifelt und abgestumpft aufgrund der horizontalen Entwicklung der letzten Jahre in der 2. Bundesliga?
Herzlichen Dank an Stefan S. für seine Spende. Ende/Anfang des Jahres kommen immer die verschieden Lizenzenkosten für das nächste Jahr 2026 auf uns zu. Bitte helft doch weng mit, wenn jeder was reinwirft, sollte es kein Problem sein. Paypal: juwedevelop@gmail.com Wir haben keine Einkommensquellen und sind darauf angewiesen als alternatives Medien Projekt. Ich bedanke mich für euer Verständnis! Einige Spender gibt es bislang… https://clubfans-reunited.de/weihnachten25/#spendenliste
Diop mit sofortiger Wirkung weg…also neben dem Sturm eine weitere Baustelle im Mittelfeld
Diop wird kein Loch in den Kader reißen , für ihn würde ich auch keinen
neuen Mann holen,der Kader fängt das locker auf.
Das reinigen des Kaders beginnt , weiter so .
3-4 Mann können schon noch gehen.
Das Augenmerk sollte voll und ganz auf einen Stürmer liegen.
Ich finde den Leihabbruch gar nicht gut, ich fand Diop einen sehr talentierten Spieler. Vor allem seine Ball und Passsicherheit bei engen Pressings finde ich gut. Sein Marktwert hat sich seit Leihe beim 1. FCN vervierfacht und er hat 621 Einsatzminuten.
Ich verstehe die Panikreaktion von Straßbourg ehrlich gesagt nicht. Blöd auch dass wir Diop gar nicht durch eine innerdeutsche Leihe ersetzen könnten. Nützlich wäre zumindest gewesen, wenn das innerdeutsche Leihkontigent dadurch entlastet worden wäre. Kein Drama dennoch gesamt betrachtet nicht gut.
Es ist als Sportvorstand einfach nur fahrlässig einen Vertrag mit so einer Klausel zu akzeptieren. Performt der Spieler, oder hat sein Heimatverein eigene Pläne, geht er schon wieder zur Winterpause. Wie soll man so planen können?
Selbstverständlich muss der Spieler ersetzt werden, da er ja im System hängende Spitze mit Lubach zur ersten 11 gehört hat. Für mich hat Diop Angesicht seines späten Transfers und der Vorschusslorbeeren Jotis zwar nicht überzeugt, aber er war zumindest eine der wenigen Wechseloptionen Kloses.
Es bringt uns nichts, den Kader mit Abgängen dieser Kategorie zu verkleinern, während Birons, Stepanovs & Co. bleiben.
Bin gespannt, wie man auch diese Lücke (wie im Sturm) ohne innerdeutsche Leihen kompensieren wird.
Ich muss dazu aber auch sagen,wenn es die Klausel gibt, dass er so und soviele Einsätze haben soll, dann lass ich ihn auch spielen…der hats drauf…gegen H96 hat man es gesehn…der Kader ist im Mittelfeld einfach zu gross…für mich war das das die ambitionierteste Leihe…