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FCN verpflichtet Wirbelwind Rayan Ghrieb

Neuzugang auf überraschender Position: Der FCN hat den 27-jährigen offensiven Flügelspieler Rayan Ghrieb vom Ligakonkurrenten 1. FC Magdeburg verpflichtet. Der Franzose mit algerischen Wurzeln wechselt im Sommer laut Informationen der Sportzeitung L‘Équipe für eine Basisablöse von 600.000 Euro ins Frankenland.

Ghrieb spielte in der Saison 2020/21 noch in der Oberliga Baden-Württemberg für den SV Oberachern. Von dort aus arbeitete er sich in den nächsten Jahren kontinuierlich nach oben. 2023 stieg er mit USL Dunkerque in die zweite französische Liga auf, wobei er zum Spieler der Saison 2022/23 der 3. Liga Frankreichs gewählt wurde. Nach zwei Jahren in der Ligue 2 erfolgte im vergangenen Sommer der Wechsel nach Magdeburg, wo er in 27 Einsätzen, häufig als Joker, in der Liga 4 Tore und 3 Vorlagen beisteuerte.

Dynamischer Flügelflitzer

Der Linksfuß spielte in den letzten Jahren zumeist als inverser Flügelspieler auf der rechten Seite, kann aber auch auf dem linken Flügel oder auf der Zehn zum Einsatz kommen. Sein Spiel zeichnet sich vor allem durch seine dynamischen Dribblings und seine Präsenz im letzten Drittel aus. In der vergangenen Saison gab es in der 2. Bundesliga keinen Flügelspieler, der pro 90 Minuten mehr Ballkontakte im gegnerischen Strafraum und mehr Torabschlüsse verzeichnete als Ghrieb.

Teilweise ist dies sicherlich mit dem balldominanten Spielansatz der Magdeburger zu erklären. Der 27-Jährige, der auf eine Höchstgeschwindigkeit von über 34 km/h kommt, kann sich jedoch auch selbst in aussichtsreiche Abschlusspositionen bringen. Mit 2,78 progressiven Dribblings und 0,44 Beschleunigungen mit Ball, jeweils pro 90 Minuten, zählt er zu den 20 % der dynamischsten Flügelspieler der 2. Bundesliga.

Kreativer Freigeist

Wenn er mit dem Ball am Fuß ins letzte Drittel eindringt, sucht Ghrieb aber nicht nur selbst die Möglichkeit zum Abschluss. Vielmehr ist er ein kreativer Spieler, der zahlreiche Chancen für seine Mitspieler herausspielt. Bei der Anzahl der Schussvorlagen, seinen Steckpässen hinter die gegnerische Abwehr und der Anzahl seiner Flanken bewegte er sich in der abgelaufenen Saison jeweils weit über dem Ligadurchschnitt. Mit 2,82 herausgespielten Chancen und 0,94 kreierten Großchancen pro 90 Minuten zählte er in puncto Chancenkreation zur Ligaspitze auf seiner Position. Anders als in seiner letzten Saison in Frankreich nahm Ghrieb in Magdeburg aber eher wenig Einfluss auf den tieferen Spielaufbau, wie seine nur durchschnittliche Anzahl an progressiven Pässen zeigt.

Straßenfußballer

Als typischer Straßenfußballer kann Ghrieb die gegnerischen Abwehrreihen oft überraschen, geht in seinem Spiel aber auch viel Risiko ein. Er kann sich nur in knapp 53 % seiner Dribblingversuche durchsetzen und weist bei der Passgenauigkeit über kurze und mittlere Distanzen im Ligavergleich unterdurchschnittliche Werte auf. Im Hinblick auf den Mut, den er in seinen Aktionen beweist, ist das an sich nichts Negatives. Verbunden mit seiner jedenfalls in der abgelaufenen Saison unterdurchschnittlichen Chancenverwertung deuten diese Werte aber darauf hin, dass der Flügelflitzer viele Ballaktionen braucht, um seinen Einfluss auf das Spiel seiner Mannschaft optimal zu entfalten. Auch das ist für offensive Freigeister grundsätzlich nichts Ungewöhnliches, stellt aber mit Blick auf den Ballbesitzanteil gewisse Anforderungen an den Spielansatz des FCN in der kommenden Saison.

Ambivalente Defensivarbeit

Vonseiten vieler Magdeburger Fans wird Ghriebs mangelnder defensiver Einsatz als hauptsächlicher Grund dafür angeführt, warum er unter Trainer Petrik Sander nicht über den Status als Ersatzspieler hinauskam. Tatsächlich fing er in der abgelaufenen Saison ballbesitzbereinigt nur unterdurchschnittlich viele gegnerische Pässe ab und eroberte wenige Bälle durch Tacklings. Auch die Anzahl seiner Defensivaktionen bewegt sich im unteren Viertel aller Flügelspieler der 2. Bundesliga.

Zu diesem Punkt ist allerdings interessant, dass Ghrieb in der Vorsaison in der Ligue 2 noch zu den 30 % der Flügelspieler mit den meisten Defensivaktionen gehörte, obwohl sein damaliger Verein auch zu den ballbesitzorientierten Teams der Liga zählte. In einer passenden gesamtmannschaftlichen Herangehensweise erscheint es somit nicht fernliegend, dass er zumindest im Bereich der Defensivzweikämpfe keinen Schwachpunkt im Team darstellen muss.

Solider Transfer

Vor dem Hintergrund, dass der FCN in der abgelaufenen Saison oftmals Schwierigkeiten hatte, sich Chancen herauszuspielen, ist die Verpflichtung von Ghrieb keine fernliegende Entscheidung. Durch seine Geschwindigkeit stellt er in Umschaltmomenten stets eine Gefahr für das gegnerische Tor dar, wenngleich er zur optimalen Betonung seiner Kreativität grundsätzlich im Ballbesitzfußball am besten aufgehoben ist. Andererseits kann man mit Blick auf die Tatsache, dass sich der 27-Jährige in den letzten drei Jahren auf vergleichbarem Niveau nirgendwo nachhaltig als Stammspieler etablieren konnte, nicht davon ausgehen, dass sich dies beim Club zwangsläufig ändern muss. Je nachdem, wie Miroslav Klose seine Bereitschaft zur Defensivarbeit kanalisieren wird, kann Ghrieb aber dennoch ein sinnvoller Baustein für eine hoffentlich starke FCN-Offensive sein.

Datenquellen: Wyscout / X: @BeGriffis, FotMob

Autorin: Pausenpfiff
Bildquelle/Composing: Juwe, FCN, Stream

  

4 thoughts on “FCN verpflichtet Wirbelwind Rayan Ghrieb

  • Super Analyse, in den sozialen Medien liest man aus Magdeburg, dass Ghrieb mit seinem Spielstil eben viele Zweikämpfe zu suchen aber sich hier und da zu spät vom Ball zu trennen mit dem Trainer Petrik Sandner Probleme bekam, das kostete ihm scheinbar den Stammplatz. Ich glaube aber Miro bekommt ihn hin und wir haben kaum Box Spieler die intensiv ins 1 vs 1 gehen in der Box, wo immer ein Foul, Ecke oder irgendwas dabei rumkommen kann. Er ist ein Spielertyp, den wir außer Zoma so nicht haben, daher meine ich eine gute Ergänzung für das Nürnberger Offensivspiel. Zudem hat er einen recht guten Speed.

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  • Die Analyse finde ich auch formidabel, um gleich mal ins Französische zu driften. Mit einem Franzosen hat der Club ja schon vor nicht allzu langer Zeit einen guten Fang gemacht.

    Die Botschaft ist klar: Man will variabler werden, weniger ausrechenbar, womöglich auch öfter ein 4-2-3-1 spielen. Insofern scheint Ghrieb durchaus ein “sinnvoller Baustein” zu sein. Wenn man allerdings 600.000 Euro für diesen “Baustein” hinblättert, mit Boni sogar 1 Million – dann ist Ghrieb die Luxusvariante von Joseph Hungbo.

    Etwas überraschend finde ich auch, dass Ghrieb gleich einen 3-Jahres-Vertrag bekommen haben soll – floppen sollte dieser Transfer besser nicht. Dafür soll der Club eine Option auf ein weiteres Jahr haben – falls Ghrieb glänzen kann.

    Im tm-Forum von Magdeburg kommentiert ein User wie folgt:
    “Sander und Ibold haben ihm wohl relativ früh signalisiert – ob direkt oder über die Einsatzzeiten –, dass sie sportlich eher weniger mit ihm planen. Insofern finde ich den Abgang absolut nachvollziehbar. Bevor Ghrieb noch eine weitere Saison auf der Bank verbringt und sein Marktwert weiter sinkt, ist ein sauberer Transfer für alle Seiten vermutlich die bessere Lösung.”

    Mag natürlich sein, dass Ghrieb in Magdeburg nie wirklich angekommen ist, sich aber bei uns wohlfühlt und seine Stärken in Nürnberg aufs Feld bringt. Ebenso mag es sein, dass Sander ihn nicht zu besserer Defensiv-Arbeit motivieren konnte, Miro aber das aber hinbekommt.

    Unser Scouting hat sich mit Rayan Ghrieb sicherlich intensiv beschäftigt. Schau mer mal. Ich bin bei diesem Transfer eher neutral bis skeptisch.

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  • Sehr interessante Analyse, die auf den ersten Blick weniger euphorisch klingt, als ich Ghrieb auf dem Feld wahrgenommen habe. Ich fand ihn stets auffällig und gefährlich.

    Ja, vielleicht dämpft die ausbaufähige Defensivleistung die Erwartungen, aber er hat das ja wohl offensichtlich auch schon besser gemacht. Und wenn einer einen Offensivspieler “veredeln” kann, dann Miro!

    Für mich ist das ein vielversprechender Transfer.

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  • Apropos Miro.

    Laut einer aktuellen Mitteilung auf fcn.de gehen Rossow und Klose zusammen mit einer Delegation der Stadt Nürnberg, darunter auch OB König, morgen auf eine China-Reise.

    “Auf der Reise nach Shenzhen stehen unter anderem der Austausch mit Vertretern der Stadt Shenzhen und Chengdu sowie der Besuch von Wirtschaftsunternehmen auf dem Programm. Zudem wird sich die Gruppe Einrichtungen zur Förderung des Jugendfußballs und das Shenzhen Bay Sports Center anschauen.”

    Klose macht für Rossow somit den Marken-Botschafter und Rossow macht hoffentlich was draus. Für mich darüber hinaus schon auch ein Beleg, dass sich Miro Klose zu 100 Prozent mit dem Club identifiziert.

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