FCN Giannis Masouras vom zypriotischen Meister
Verstärkung für die rechte Abwehrseite des Clubs: Vom frischgebackenen zypriotischen Meister Omonia Nikosia wechselt Giannis Masouras im Sommer ablösefrei zum FCN. Der 29-jährige Rechtsverteidiger bringt internationale Erfahrung, unter anderem aus der Conference League, mit ins Frankenland und wurde den FCN-Verantwortlichen nach Informationen der BILD Nürnberg vom Scouting-Partner Jamestown Analytics empfohlen.
International erfahren
Masouras, der gebürtig aus Griechenlands drittgrößter Stadt Patras stammt, galt in jungen Jahren als vielversprechendes Talent. Dementsprechend durfte er auch dreimal für die U21-Auswahl seines Landes auflaufen. Sein Wechsel zu Olympiakos Piräus im Alter von 21 Jahren erwies sich karrieretechnisch jedoch als fatal: In den viereinhalb Jahren, in denen er beim griechischen Rekordmeister unter Vertrag stand, sammelte er dort keine einzige Spielminute in der Liga und kam lediglich dreimal im Pokal zum Einsatz. Stattdessen wurde er mehrfach verliehen, unter anderem nach Polen und in die Niederlande. Auch nach Vertragsende in Piräus kamen für Masouras noch mehrere Stationen in verschiedenen Ländern hinzu, sodass er kulturell schon einiges erlebt haben dürfte.
Offensive Dynamik
Bei einem Blick auf Masouras‘ Leistungsdaten erklärt sich sofort, warum er in Social-Media-Kommentaren von Fans mitunter „Speedy Gonzales“ genannt wird. In der laufenden Saison ist er in der ersten Liga Zyperns der Spieler, der auf seiner Position pro 90 Minuten die meisten Beschleunigungen mit Ball und die meisten progressiven Dribblings verzeichnen kann. Seine hohe Präsenz im Offensivspiel münzt er auch in Zählbares um, da er zu den 10 % der Außenverteidiger zählt, die am häufigsten an der Entstehung von Toren ihres Teams beteiligt sind.
Im Angriffsspiel seiner Mannschaft zieht er häufig, wenn sich der Ball noch im Mittelfeld befindet, zusammen mit den Stürmern Tiefenläufe in den gegnerischen Strafraum an und agiert so teilweise als verkappter Außenstürmer. Unter anderem durch sein hohes Flankenvolumen bringt er seine Mitspieler zudem überdurchschnittlich oft in Abschlusspositionen, wenngleich seine Flankenpräzision „nur“ durchschnittlich ist.
Vertikale Spielweise
Bei seinen offensiven Stärken muss man sich bewusst sein, dass Masouras in seinem Spiel viel Risiko eingeht. Er versucht so oft wie möglich, das Spiel schnell und vertikal zu gestalten, sei es durch seine Passauswahl oder durch mutige Dribblings. Dementsprechend spielt er im Vergleich zu anderen Spielern auf seiner Position relativ viele Fehlpässe und kann sich nur in knapp der Hälfte seiner Dribblingversuche durchsetzen. Da er in vielen online verfügbaren Spielzusammenfassungen durch einen sauberen ersten Kontakt auffällt und auch schwierige Pässe regelmäßig zum Mitspieler bringt, ist dies aber vermutlich nicht auf technische Mängel, sondern auf seine Spielweise zurückzuführen. Mit Blick auf seinen hohen Offensivoutput erscheint es aber lohnenswert, die damit verbundenen Ballverluste defensiv im Team aufzufangen.
Hohe Defensivaktivität
Auch gegen den Ball präsentiert sich Masouras aktiv und zuverlässig. Seine 9,4 Defensivaktionen pro 90 Minuten sind deutlich über dem Ligadurchschnitt anzusiedeln, wobei er auch vor Tacklings keineswegs zurückscheut. Darüber hinaus gewinnt er starke 70,5 % seiner Defensivduelle, was ligaweit nur zwei Außenverteidiger mit mindestens 900 Einsatzminuten überbieten können. Sein hervorragendes Stellungsspiel zeigt sich nicht zuletzt in der (ballbesitzbereinigt) hohen Anzahl an abgefangenen gegnerischen Pässen, wo er ebenfalls zur Ligaspitze zählt.
Nicht zuletzt verfügt er über ein für einen Außenverteidiger sehr gutes Kopfballspiel und gewinnt pro 90 Minuten mehr Luftduelle als 90 % aller Außenverteidiger in Zypern. Dass sein Spiel gegen den Ball trotz seiner grundsätzlich offensiven Ausrichtung keinen Anlass zur Sorge bietet, haben schon seine Stationen bei Abstiegskandidaten in Polen und Griechenland 2023 gezeigt. Diese konnte er nach seiner Ankunft defensiv jeweils merklich stabilisieren.
Verschiedene Ausprägungen
Insgesamt scheint es so, als ob Masouras nur in der letzten Verteidigungslinie weniger Defensivaktivität aufweist. Dass nur ein Außenverteidiger ligaweit weniger Torschüsse des Gegners blockt als er, lässt sich zumindest teilweise mit seiner oft hohen Positionierung und der generell guten Defensivarbeit seiner Mannschaft erklären. Auch in den verfügbaren Spielsequenzen entsteht jedoch manchmal der Eindruck, dass der 29-Jährige direkt am eigenen Strafraum ein wenig zurückhaltender in den Zweikämpfen agiert – möglicherweise um keinen Freistoß in gefährlicher Position zu verursachen. Dennoch könnte er nach diesen Eindrücken hier noch etwas entschlossener agieren.
Emotionen und Intensität
Der dynamische Rechtsfuß fällt außerdem durch seine Emotionalität auf dem Platz auf. In der Jubeltraube nach einem Treffer freut er sich häufig am enthusiastischsten, auch wenn er das Tor nicht selbst geschossen hat. Auch ansonsten ist er im verfügbaren Videomaterial oft zu sehen, wie er gelungene Aktionen lautstark feiert. Insofern könnte seine Verpflichtung einem auch hier im Kommentarbereich oft geäußerten Wunsch entsprechen, dass der FCN mehr Spieler braucht, die auf dem Platz sichtbar vorangehen und sich und die Kollegen motivieren können. Verbunden mit seiner hohen Intensität in beide Richtungen könnte er in der neuen Saison womöglich sogar zu einem „aggressive leader“ werden.
Viele Vereinswechsel
Auf den ersten Blick etwas abschreckend wirkt wohl Masouras‘ Vereinshistorie, die inklusive Leihen bislang schon 10 Klubs umfasst. Nach seinem Abschied aus Piräus vollzog er von Anfang 2023 bis Sommer 2024 in eineinhalb Jahren gleich vier Vereinswechsel. Sein schneller Abschied vom polnischen Verein Miedz Legnica kann wohl mit dessen Abstieg aus der Ekstraklasa erklärt werden, den Masouras trotz guter Leistungen nach seinem Winterwechsel nicht verhindern konnte. Dass er ein Jahr später schon nach wenigen Monaten den FC Astana wieder verließ, erklärte Masouras selbst in einem Instagram-Post damit, dass er sich in Kasachstan kulturell nicht zurechtfinden konnte.
Sinnvolle Verpflichtung
Aus Sicht des FCN ist sicherlich positiv zu bewerten, dass der 29-Jährige für seinen Wechsel nach Franken zypriotischen Medien zufolge ein Verlängerungsangebot seines bisherigen Vereins ausschlug und damit auf die Möglichkeit verzichtet, in der kommenden Saison an der Qualifikation zur Champions League teilzunehmen. Mit Masouras bekommt der FCN einen Rechtsverteidiger mit internationaler Erfahrung und sowohl offensiven als auch defensiven Qualitäten, die er zuletzt nachhaltig in einer Liga unter Beweis stellen konnte, die nicht schlechter als die 2. Bundesliga einzuschätzen ist. Die Chancen stehen somit gut, dass Masouras, der in der offiziellen Elf der Saison der zypriotischen Liga vertreten ist, das Spiel unserer Mannschaft ab Sommer spürbar bereichern kann.
Datenquelle: Wyscout / X: @BeGriffis
Autorin: Pausenpfiff
Bildquelle/Composing: Juwe, FCN, Stream



Danke Pausenpfiff 😘
Danke für die ausführliche Analyse! Auf die sicher alle neugierig sind, weil er aufgrund seiner vielen Stationen von allen Neuzugängen wahrscheinlich am ehesten Skepsis geweckt hat.
Was aber jetzt klar für ihn spricht, ist die Aussage, dass Du die zypriotische erste Liga als leistungstechnisch vergleichbar mit der zweiten deutschen Liga einschätzt. Und wenn er dann in der Mannschaft der Saison landet, ist das schon ein Leistungsausweis. Dazu kommt, dass er eine JTA-Empfehlung sein soll. Zoma hat schließlich auch fulminant eingeschlagen.
Neben seinen fußballerischen Qualitäten ist aber vor allem interessant, dass er auch Leidenschaft und Intensität an den Tag legt und Führungsqualitäten zeigt. Einen Typ aggressive leader kann der Club wirklich gut gebrauchen. Das hat diese Saison schon ein bisschen gefehlt.
Ja, nach anfänglichen Fragezeichen freue ich mich aufgrund dieser Vorstellung auf ihn. Bis jetzt wirken alle Neuzugänge solide und durchdacht. Fehlen noch ein LV und ein Stürmer. Und dann muss man halt schauen, was auf der Abgangsseite passiert und was man da kompensieren muss. Hoffentlich haben sie eine Schattenmannschaft im Kopf und wissen, wo sie anzurufen haben, wenn zentrale Positionen noch vakant werden sollten. Die eine oder andere last-minute-Geschichte wird dem Club vielleicht nicht erspart bleiben. Aber insgesamt darf man Joti auch mal loben, dass er für diese Saison jetzt so zielstrebig verpflichtet.
Mhamdi hätte ich schon lieber gesehen, ganz ehrlich. Aber Heidenheim hat ihm wohl “mehr Respekt” entgegengebracht. Oder anders formuliert: Nach drei Jahren Oberhaus hat Heidenheim mit Sicherheit einen höheren Gehaltsrahmen als der Club. Das muss man akzeptieren.
Dass Giannis Masouras einige Leihstationen bislang hatte, relativiert natürlich seine vielen Vereinswechsel. Auch ein Georg Margreitter kam damals zu uns als eine Art “Wandervogel”. Er blieb lange und hinterließ zudem einen bleibenden Eindruck.
Mentalitäts-Spieler. Viel Erfahrung. Und JTA. Kurzum: Nach Lektüre der Pausenpfiff-Analyse sehe ich diesen Neuzugang auch eher positiv.
Das geht mir genauso, Fränki
Ich hätte auch lieber Mhamdi bei uns gesehen, weil er noch mehr Potenzial bietet, aber nach der sehr ausführlichen Analyse von Pausenpfiff haben mich die positiven Eigenschaften von ihm auch überzeugt und bin gespannt, wie er sich auf dem Platz präsentiert. Ein großer Pluspunkt ist natürlich auch seine Einstellung und Mentalität. Ich hoffe, er kann seine Mitspieler mitziehen, wenn es mal nicht so läuft.
Margreitter als Vorbild wäre gut .
Viele Mentalitätsspieler kamen danach nicht mehr zum FCN .