FCN – Die erste Saison Niederlage 26/27
Info: Kommentare auf Clubfans Reunited kommen immer ein paar Tage später um das Medien Echo nach dem Spiel in der Analyse mit zu bewerten.
Erstmals seit über sechs Monaten muss sich der Club in einem Pflichtspiel wieder geschlagen geben. Gegen Kaiserslautern reichte am Samstagabend eine starke Leistung nicht für Zählbares. Als Fan hat man ja beinahe schon vergessen, wie sich eine Niederlage anfühlt, und Javi Fernández musste diese Erfahrung beim Club sogar zum ersten Mal machen. Daran lässt sich schon erkennen, wie beeindruckend diese Serie war, die jetzt gerissen ist. Und ausgerechnet zu diesem Anlass darf ich meinen ersten Spieltagskommentar für Clubfans Reunited schreiben. Abweichend von meiner üblichen Gewohnheit (und entgegengesetzt zu dem, was ich im öffentlichen Diskurs bislang größtenteils wahrgenommen habe) überwiegen diesmal bei mir eher die negativen Emotionen. Aber vielleicht ist gerade das ja auch eine gute Diskussionsgrundlage.
Gute Leistung
Dabei legte der Club einen Auftritt hin, dem man grundsätzlich viel Positives abgewinnen kann. Nach den ersten 20 Minuten, die ein Stück weit verschlafen wurden, arbeitete sich die junge Mannschaft in die Partie und brachte die defensivstarken Pfälzer ein ums andere Mal in Bedrängnis. Ein Spiel, das man mit 31:12 Torschüssen, mit 4:1 Großchancen und mit einer xGoals-Differenz von 2,1:0,8 über weite Strecken dominiert, muss eigentlich nicht verloren gehen. Nur was nimmt man letztlich aus diesen Zahlen mit? Überwiegt das Positive, dass man gegen Lieberknechts Bollwerk dank der eigenen spielerischen Klasse mehrere Tore hätte erzielen müssen? Oder hat sich nicht doch die Befürchtung ein Stück weit verfestigt, dass der Mannschaft ohne Finn Becker und Momo Zoma die Durchschlagskraft fehlt, die auf höchstem Level entscheidend sein kann?
Unglückliche Niederlage
Keine Frage: Isoliert betrachtet könnte man das Kaiserslautern-Spiel als statistischen Ausreißer abhaken. Mit so einem klaren Chancenverhältnis und so einer überlegenen Spielanlage, zumal gegen ein Spitzenteam, gewinnt man seine Partien in der Regel. Umso mehr, als die durch die Ausfälle in die Mannschaft gerückten Spieler ihre Sache gut gemacht und so unterstrichen haben, dass in der Kaderbreite definitiv Qualität vorhanden ist.
Rafael Lubach beeindruckte mit einer Passquote von 92 % und spielte fünf Chancen heraus, die meisten aller Spieler auf dem Platz. Rayan Ghrieb findet sich immer besser in der Mannschaft zurecht, harmonierte nicht zum ersten Mal hervorragend mit Tim Janisch und strahlte durch seinen starken linken Fuß permanent Gefahr aus. Dass Gästekeeper Julian Krahl, gemessen an der Qualität der Abschlüsse, rechnerisch 2,8 Gegentore verhinderte und folglich vom kicker verdientermaßen zum Spieler des Spieltags gekürt wurde, passt da nur allzu gut ins Bild.
Spürbare Ausfälle
Und doch lässt zumindest mich mit Blick auf die kommenden Wochen bis zur Winterpause ein leises Gefühl des Unbehagens nicht los, jedenfalls angesichts der hochgesteckten Ziele. Denn auch wenn Miroslav Klose auf viele hervorragende Fußballer zurückgreifen kann, wirkt sich das Fehlen von Zomas Explosivität und Abschlussstärke und von Beckers strategischem Geschick unweigerlich auf die Statik des Teams aus. Seit Beckers Ausfall ist die Mannschaft noch sieglos und offenbarte gerade gegen Wolfsburg und Cottbus Probleme bei der Kompaktheit gegen den Ball. Und dass Zomas Torquote nicht zuletzt in Spielen wie gegen Lautern, in denen die Chancenverwertung über Sieg oder Niederlage entscheidet, kaum ersetzt werden kann, drängt sich ebenfalls auf.
Selbstverständlich hat sich die Mannschaft in den letzten Wochen mit starken Gegnern gemessen, gegen die Punktverluste alles andere als eine Schande sind. Jedoch wird das Programm bis Dezember u.a. mit den Gastspielen am Millerntor, in Magdeburg und in Heidenheim auch nicht unbedingt leichter.
Mentale Stärke
Um nicht in Defätismus abzugleiten: Die Mannschaft ist qualitativ sicher stark genug besetzt, um auch in der aktuellen Besetzung Punkte einzufahren und in der Formtabelle nicht plötzlich weit nach unten zu rutschen. Das Team scheint mental stabil und jederzeit in der Lage zu sein, sich aus schwierigen Situationen herauszuarbeiten, wie der Umschwung nach der Anfangsphase gegen Lautern erneut gezeigt hat. Dass die Spieler nach Schlusspfiff von der Kurve gefeiert wurden, zeugt außerdem von einem starken Zusammenhalt zwischen Mannschaft und Fans.
Die Selbstwahrnehmung innerhalb der Mannschaft ist inzwischen offenbar auch bei nicht ganz optimalen Ergebnissen ungebrochen positiv. Anders als nach dem Spiel in Kiel, als noch Enttäuschung über zwei verlorene Punkte vorherrschte, werden in den Interviews nach den Partien seit dem Wolfsburg-Spiel überwiegend die Aspekte hervorgehoben, die gut gelaufen sind. Ob das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist, wird sich mittelfristig zeigen.
Veränderte Erwartungshaltung?
Unterm Strich ist die Niederlage vom Wochenende also keinesfalls ein Beinbruch, und mit dem Club wird in der Liga auch weiterhin zu rechnen sein. Die Eindrücke der letzten Wochen veranlassen zumindest mich aber dazu, meine Erwartungshaltung ein wenig zurückzuschrauben. Wenn der zweite Tabellenplatz zur Winterpause noch so weit in Reichweite ist, dass er mit einer starken zweiten Saisonhälfte zurückerobert werden kann, wäre ich Stand jetzt schon zufrieden.
Autorin: Pausenpfiff
Bildquelle: Stream, KIi, Juwe



Liebe Pausenpfiff, nachdem deine Spieler-Analysen bereits hoch beliebt sind unter den Clubfans, freuen wir uns dich in Zukunft auch bei den Spieltagskommentaren zu lesen. Das wird eine emotionale Saison! And Welcome! … let’s have a walk on the wild side! Nur der FCN!
Der Analyse kann ich vollumfänglich zustimmen!
Danke für die Analyse und das Stimmungsbild, das es gut trifft.
Das berühmte Glas, ist es jetzt halbvoll oder halbleer nach dem Spiel?
Zoma und Becker sind beides Schlüsselspieler und ihre Ausfälle wecken zurecht Befürchtungen. Nicht, dass es jetzt wieder gegen den Abstieg geht wie immer wieder in den letzten Jahren, dazu ist die Mannschaft mittlerweile doch zu stabil und weitgehend gut besetzt. Aber der heiß ersehnte Aufstieg, von dem wir nach dem Traumstart träumen dürfen, der ist halt alles andere als ein Selbstläufer. Und uns war wohl allen klar, sollte der 20 Mio Mann und Torgarant Zoma länger ausfallen, wirds eng. Und leider kam ausgerechnet im ersten Spiel ohne Zoma ein Hauptaufstiegskonkurrent, dazu noch mit einem Torwart, der jeder Offensive alles abverlangt, ins MMS. Hätte man jetzt auf dem Betze 0:1 verloren, wärs psychologisch noch günstiger, aber jetzt ist auch noch die lange Heimserie gerissen. Also 3 Punkte in einem “6-Punkte-Spiel” zu verlieren, dazu zu Hause ist jetzt schon ein erster Rückschlag. Dazu das unangenehme Gefühl, dass möglicherweise jetzt doch der Wurm reinkommt und man bis zur Winterpause den Kontakt mit den Aufstiegsplätzen verlieren könnte.
Also ein halbleeres Glas. Halbvoll dann trotzdem, weil man wieder eine starke Leistung gesehen hat. Auch nach dem Rückstand ist die Mannschaft wieder nicht eingebrochen. Es gab sehr gut heraus gespielte Chancen. Der (auch von mir) kritisierte Ghrieb hat eine Superleistung gezeigt (die er hoffentlich wiederholen kann).
Jetzt bleiben ein mulmiges Gefühl und gleichzeitig Hoffnung. Meine Erwartungshaltung ist jetzt auch leicht gedämpft. Mit Blick auf die Hertha, Lautern, Wolfsburg und Heidenheim wird es sehr herausfordernd, den Aufstiegsplatz zu verteidigen. Man muss tatsächlich hoffen, dass sich der Saisonverlauf so entwickelt, dass in der Rückrunde noch alles drin ist. Weitere Ausfälle würden der Mannschaft aber weh tun. Die Frage ist, wie Joti in der Winterpause agieren wird. Als er die 20 Mio zurück gewiesen hat, hat er gezeigt, dass er willens ist, all in zu gehen. Vielleicht muss man dann noch mal investieren.