FCN Analyse – ist der Club aufstiegsreif?
Für viele Clubfans ungewohnte Gefühle, so mancher reibt sich noch immer die Augen, sind es vielleicht doch Sehstörungen? Nein, der Club steht mit einem blitzsauberen Start nach 6 Spieltagen noch ungeschlagen, hauchdünn hinter der ebenfalls überraschenden Hertha auf einem direkten Aufstiegsplatz. Dazu mit Lob überschüttet wegen den jungen Talenten weit über Grenzen hinaus, die sich zahlreich in Kloses Kader scharen.
Aber was ist anders in der dritten Saison seit Joti Chatzialexiou und Miroslav Klose für die sportliche Entwicklung verantwortlich sind?
Gelungene Transferphase
Zwei Punkte muss man dabei hervorheben. Man hat nicht nur gute Arbeit gemacht im Vorfeld dieser Saison, zur „Leistung“ gehört in der Physik immer der Faktor Zeit. Man hat vor allem frühzeitig gehandelt im Transferfenster vor der Saison.
Vorhersehbaren Abgängen wie in der Innenverteidigung mit Gruber und Lochoshvili standen sehr schnell hoffnungsvolle Nachfolger bereit, die zwar noch jung, aber den Sprung in den Profifußball bereits gemacht haben mit Kalogeropoulos und Fynn Otto. Auch der Transfer des erfahrenen Masouras auf der rechen Außenbahn stand frühzeitig fest. Erstaunlich frühzeitig, weil man das aus den beiden vorangegangenen Spielzeiten nicht gewohnt und immer ein Kritikpunkt war.
Man hat zwar die gesamte Viererkette ersetzen müssen, aber Miroslav Klose hatte Zeit in der Vorbereitung mit den Neuen, die Qualität mitbrachten, frühzeitig zu arbeiten. Dann hat man mit der neuen Innenverteidigung auch noch zwei Volltreffer gelandet. Dazu kam ebenso frühzeitig für die Offensive der umtriebige, dribbelstarke Rayan Ghrieb, um die Offensive breiter zu machen mit dem Außenstürmer. Später kaman noch Haugen und Boeving hinzu, weil Miroslav Klose unbedingt mehr Qualität von der Bank haben will um enge Spiele wirklich nochmal beeinflußen zu können.
Und ganz wichtig man konnte die Achse, die Struktur der Mannschaft diesmal sogar vollständig halten und hat dabei auch kein Risiko gescheut. Früher hieß es, wer im letzten Jahr eines Vertrages nicht verlängert muss verkauft werden, um nicht den Ausfall der Ablösesummer zu riskieren, was sich der Club bislang nie leisten konnte. Das betrifft vor allem Jan Reichert, qualitativ und als Identifikationsfigur nicht wegzudenken im Moment, der ohne Vertragsverlängerung über die Saison hinaus in Nürnberg geblieben ist.
Das Masterpiece war sicherlich, dass man sogar Ali Zoma halten konnte, trotz für den FCN astronomische Angebote. Riskant und mutig solche Angebote abzuwinken, aber ein gut kalkuliertes Risiko, man kann Ali Zoma immer noch verkaufen vermutlich sogar zu einem noch höheren Preis und hat diese Saison seine unverzichtbaren Tore. Auf Platz 1 der Torjägertabelle sieht man ohne ihn wäre der starke Saisonstart nicht möglich gewesen.
Man hat also in diesem Transferfenster nicht nur schnell sondern inhaltlich super gearbeitet mit gut kalkuliertem Risiko. Man könnte es zusammenfassen, in dieser Saison geht Joti All-In. Hinter den Kulissen schien das Ziel Aufstieg schon länger geplant gewesen zu sein ohne es nach Außen zu kommunizieren. Die Saison ist zwar noch früh, aber schon jetzt sieht man, dass alle Maßnahmen in dem Transferfenster sehr gut aufgehen.
Konstanz bei den Verantwortlichen
Im Profifußball kommt es nicht so häufig vor dass Sportvorstand, Trainer und wesentliche Strukturen im Kader jetzt schon in der dritten Saison zusammenarbeiten.
Man konnte daher den Entwicklungsprozess, der 2023 begann, stetig fortsetzen. Das Jugend Konzept, Entscheidungsträger und wichtige Teile des Kaders sind mittlerweile im dritten Jahr zusammen.
Kein Entwicklungsschritt ging verloren sondern man konnte immer weiter darauf aufbauen. Keine Frage auch Miroslav Klose hat sich als Trainer weiter entwickelt. Joti Chatzialexiou als Quereinsteiger im Vereins Managment ebenso. Ein erneuter „Neuaufbau“ in Dauerschleife blieb uns jetzt schon einige Jahre erspart und man sieht diese Saison, welche Früchte man dann ernten kann, als ständig wieder neu und von vorne anzufangen.
Das betrifft genau so die Struktur der Mannschaft, die zwar immer noch jung trotzdem eingespielter und erfahrener geworden ist. Einige Fehler, die in den Saisons vorher noch unterlaufen sind werden nicht mehr gemacht. Das erkennt man daran, dass man knappe Ergebnisse wie gegen Hannover und danach in Karlsruhe mit voller Punktezahl über die Ziellinie bringt.
Stimmung in der Mannschaft
Ein großer Pluspunkt und im Profifußball bei all dem Druck nicht selbstverständlich, diese junge Mannschaft macht Spaß. Sie haben Spaß beim zocken und der Fan hat Spaß beim zuschauen.
Die Stimmung in der intakten Mannschaft scheint top zu sein, was sie auch nach Außen transportiert und auf das Umfeld überträgt.
Natürlich trägt das “Momentum“ dieser erfolgreichen Etappe der ersten 6. Pflichtspiele mit Pokal sogar 7 Pflichtspiele dazu dabei. Erfolg macht Laune dann klappen auch mal Dinge, die uns zu anderen Zeiten schnell wieder auf die eigenen Füße gefallen wären.
Das berühmte “Momentum“ macht allen Spaß und auch so manches Wochenende der Clubfans gerade bei den Topspielen am Freitag Abend beginnt gut gelaunt.
Die Qualität
Mit einem Marktwert von 42,6 Mio ist der Kader des 1. FC Nürnberg weit vorne in der Tabelle angesiedelt. Das Mittelfeld ist zudem das Beste, was die 2. Bundesliga aktuell zu bieten hat, die Basis für den dominanten Fußball, den Miroslav Klose spielen läßt.Natürlich sind Martkwerte lediglich Indizien und nicht alleine ausschlaggebend wie man am aktuellen Tabellenführer Hertha BSC Berlin sieht, die alle Stars vor der Saison verkaufen musste und mit 25 Mio gerade mal im Mittelfeld der Marktwert Tabelle liegen, aber souverän die Zweitligatabelle anführen. Dennoch spiegeln sie den Wert der Qualität im Kader wieder.
Der 1. FC Nürnberg hat blutjunge Spieler mit hoher Qualität entwickelt, die mittlerweile im 3. Klose Jahr auch die Reife für “Männerfußball“ erlangt haben. Die Fehlerquote bei Janisch, Lubach, Reichert, Scobel, Fernandez ua. ist deutlich niederiger geworden als zu ihrem Start in den Profifußball. Junge Spieler auf dem hohen Niveau haben meistens auch eine schnelle Lernkurve. Sie kommen aus der Lebensphase des “Lernens“ , das weiß Miroslav Klose aus seiner eigenen Erfahrung als Papa zweier toller Söhne den Zwillingen Noah und Luan sehr gut, die im gleichen jungen Fußballer Alter sind wie seine Mannschaft. Er ist folglich die richtige Ansprache in dem Alter aus seinem persönlichen Umfeld gewöhnt.
Ein weiteres Merkmal, diese Saison hat man die Qualität auf der Bank deutlich erhöht. Mit 5 möglichen Wechseln kann man jedes Spiel maßgeblich beeinflußen. Mit Spielern wie den erfahrenen Masouras oder den zuletzt zum Kader gestoßenen Boving sowie Lubach und auch dem dribbelstarken Ghrieb hat man Optionen auf Startelf- Niveau im Verlauf des Spiels. Die Qualität im Kader wurde diese Saison also auch in der Breite erhöht. Zitat Maximilian Senft, dem Trainer des KSC…”Wenn man sieht dass Nürnberg einen Boving von der Bank bringen kann, weiß man welche Qualität sie im Sturm haben.”
Und bei dieser Qualität im Sturm sind wir natürlich dann schnell bei dem Nürnberger Masterpiece dem Stürmer Ali Zoma, ein Unterschiedsspieler, der so sagen Experten mittlerweile längst in die Bundesliga oder in eine andere Europäische Erste Liga gehört. Er scored und trifft seine Tore in dieser Saison aber nach wie vor für den 1. FC Nürnberg. Zwar mühsam, vielleicht sogar riskant bei den angebotenen Summen, aber man konnte ihn diese Saison noch halten. Mittlerweile auf Platz 1 der Torjägertabelle und italienischer Nationalspieler, sogar mit ersten Einsatzminuten gegen Belgien, verkörpert er das hohe Level der Qualität im Kader des 1. FC Nürnberg. Der 1. FC Nürnberg hat eine hohe Kaderqualität jeden Spieltag von Position 1 – 18 auch auf der Bank.
Die Taktik
Der Club ist sichtbar davon weggekommen bei einer Führung in den Verwaltungsmodus umzuschalten und spielt mittlerweile weiter nach vorne. Man hat sich über mehrere Jahre viele Lösungen nach vorne erarbeitet. Miroslav Klose erwartet den Pass nach vorne statt Quergeschiebe und bräsige Sicherheitspässe. Er erwartet, dass die Mannschaft weiter „Fußball spielt“
In der Grundordnung ein 4-3-3 paßt sich je nach Anlaufverhalten des Gegners flexibel zu einem 4-2-3-1 an. Miroslav Klose versucht mit seinem System flexibel auf den Gegner zu reagieren. Tempofußball, schnelles Umschalten, Positionswechsel machen es für den Gegner schwierig darauf zu reagieren. Auch die Anlaufhöhe gestaltet die Mannschaft mittlerweile intuitiv je nach Gegner ebenso flexibel, um bei Balleroberung mit kurzem Weg zum gegnerischen Tor schnell umschalten zu können.
Piet Scobel als Zielspieler, der deutlich an Athletik zugelegt hat, legt die Bälle auch gut für seine Nebenspieler ab und mit Zoma hat man viel Speed in die Tiefe sowie beim umschalten. Justvan weicht viel auf die Flügel aus, die im Zusammenspiel mit den Schienenspielern Janisch und Porstner auf beiden Seiten intensiv bespielt werden.
Der Club hat somit ein sehr variables schwer zu verteidigendes Offensivspiel, das von guter Technik und viel Tempo lebt. Mittlerweile sieht man in der 3. Saison unter Miroslav Klose wie viele Abläufe fast blind funktionieren und jeden Gegner vor Probleme stellen.
Das Momentum
Wenn es läuft, dann läufts. Der Club hat vom ersten Spieltag an gegen Dynamo Dresden das Momentum auf seiner Seite. Verdient würden viele sagen, aber es gehört auch die Portion Glück dazu. Es war die ein oder andere Halbzeit dabei, in der man schon deutlich hätte hinten liegen können, aber dank Torhüter Jan Reichert, der sich weiterhin enorm entwickelt und die Mannschaft sich in der 2. Halbzeit zusammengerissen und das Spiel noch gerockt hat.
Spielglück, Schiedsrichterentscheidungen und ganz wichtig Verletzungspech von dem man verschont blieb, lassen sich schwer beeinflussen. Man kann sich dieses Glück auf dem Platz aber erarbeiten. Mit Wille läßt sich oft auch das Glück zwingen. Den Willen am zocken sieht man der jungen Mannschaft an und spürt ihn bis auf die Ränge.
Was bedeutet das nun für einen möglichen Aufstieg?
Vor der Saison haben sich die Verantwortlichen noch bedeckt gehalten nach außen. Nach dieser Startphase in den ersten 6 Spielen kann man aber nicht mehr umhin sich zu bekennen. Ja dieses Jahr will man es packen und rauf in die 1. Bundesliga.
Die Saison ist noch sehr lange. Der Club ist spielerisch eine der stärksten Mannschaften der gesamten Liga. Für die junge Mannschaft ist es wichtig auch bei Rückschlägen, die kommen werden, die Ruhe zu bewahren und weiter an ihrem hohen Ziel zu arbeiten. Die Mannschaft hat ohne Zweifel die Qualität für den Aufstieg. Wenn der 1. FC Nürnberg von größerem Verletzungspech verschont bleibt, das betrifft insbesondere Unterschiedsspieler wie Ali Zoma, ist das Ziel Aufstieg realistisch.
Natürlich ist die gesamte Mannschaft wichtig, aber die Tore des Top Stürmers wären nicht zu ersetzen. Das mag vorübergehend funktionieren aber nicht über einen langen Zeitraum.
Die Fans können sich auf jeden Fall auf eine außergewöhnliche Saison freuen. Natürlich am liebsten mit einer riesen Aufstiegsparty am Ende. Nach der Länderspielpause geht es sofort weiter mit einem Stresstest gegen den Zweitliga Krösus Vfl Wolfsburg (Kaderwert 109 Mio). Aber Freitagabend Spiel, Flutlicht vor vollem Stadion – Fußballherz was willst du mehr? Der 1. FC Nürnberg wird dieses schwierige Spiel rocken! Unter Miroslav Klose wurde das Max Morlock Stadion wieder zur Festung.
Wir sind der Club!
Autor: Juwe
Bildquelle: Stream, Ki,Juwe


