FCN – Neuzugang Mikayil Faye
Verstärkung für die Defensive: Der Club leiht den senegalesischen Innenverteidiger Mikayil Faye von Stade Rennes aus. Der 22-Jährige gilt als großes Talent, war in der vergangenen Saison allerdings erfolglos an den italienischen Erstligaabsteiger US Cremonese verliehen. Der Club konnte sich eine Kaufoption sichern, die jedoch mutmaßlich über den finanziellen Möglichkeiten des FCN liegen wird. Immerhin zahlte Rennes für Fayes Dienste einst eine Ablösesumme von 10 Mio. €, wobei sich die vor Jahresfrist mit Cremonese vereinbarte Kaufoption laut Medienberichten ebenfalls in diesem Bereich bewegte.
Gute Ausbildung
Faye wurde in der renommierten senegalesischen Fußballakademie des Diambars FC ausgebildet, von wo aus schon mehrere Spieler den Sprung nach Europa geschafft haben. Prominente Beispiele sind etwa der zuletzt für Everton aktive Idrissa Gueye oder der in Nürnberg bestens bekannte Pape Demba Diop. Im Alter von 18 Jahren wechselte Faye trotz des Interesses namhafter Klubs zunächst in die 2. Liga Kroatiens. Einem Bericht des kicker zufolge war bei diesem Wechsel auffällig, dass sein damaliger Berater enge geschäftliche Kontakte zum Vizepräsidenten des neuen Klubs seines Schützlings pflegte.
Förderung in Barcelona
Nach seinem Wechsel zur Zweitvertretung des FC Barcelona entwickelte sich Faye zu einem der auffälligsten Innenverteidiger der 3. Liga Spaniens, trainierte mehrfach mit den Profis unter Xavi und Hansi Flick mit und kam in der Liga auf immerhin drei Kadernominierungen für die erste Mannschaft der Katalanen. Bei seinem Debüt für die senegalesische A-Nationalmannschaft vor knapp zweieinhalb Jahren gelang ihm sogleich ein sehenswerter Treffer aus der Distanz. 2024 verpflichtete ihn Stade Rennes für über 10 Mio. €, wobei sich Barcelona eine Rückkaufoption über 25 Mio. € sicherte. Der Sprung in eine Top 5-Liga kam für Faye aber noch zu früh, konnte er sich doch weder bei Rennes noch bei Cremonese nachhaltig durchsetzen.
Zweikampfstark
Faye ist ein schneller, athletischer Spieler, der im spielerischen Bereich wie in der Defensivarbeit über ein spannendes Gesamtpaket verfügt. Sowohl in der drittklassigen spanischen Primera Federación als auch in seinen Einsätzen in der Ligue 1 gewann er deutlich über 70 % seiner Defensivduelle, womit er jeweils zu den überdurchschnittlichen Zweikämpfern der Liga zählte. Er verfügt über ein gutes Timing im direkten Duell und schafft es häufig, seinen Fuß genau im richtigen Moment zwischen den Ball und den Gegenspieler zu bringen, um Angriffe zu unterbinden. Trotz seiner Größe von lediglich 1,83 Metern ist er auch im Kopfballspiel nicht auffällig schwach, wenngleich er hier „nur“ eine durchschnittliche Erfolgsquote von knapp unter 60 % aufbieten kann.
Gutes Stellungsspiel
Der 22-Jährige zeichnet sich zudem durch sein hervorragendes Stellungsspiel aus. Dank seiner hohen taktischen Intelligenz gelingt es ihm oft, rechtzeitig auf den Passempfänger der gegnerischen Mannschaft herauszurücken und den Pass entweder noch abzufangen oder den Gegenspieler zumindest entscheidend bei der Annahme zu stören. Faye verteidigt gerne mutig nach vorne, was sich nicht zuletzt daran ablesen lässt, dass er verglichen mit anderen Innenverteidigern mehr Bälle außerhalb des eigenen Strafraums erobert als innerhalb der Box. Dass es ihm sogar in der Ligue 1 gelang, überdurchschnittlich viele erfolgreiche Defensivaktionen für sich zu verbuchen und sich unter den besten 10 % bei der (ballbesitzbereinigten) Anzahl der Balleroberungen einzureihen, untermauert seine Defensivstärke eindrucksvoll.
Mutiges Passspiel
Faye ist aber auch mit dem Ball eine Bereicherung für seine Mannschaft. Das Datenportal „Concept Scouting“ sieht ihn folglich nicht als rein defensiven Innenverteidiger, sondern gibt seine stärksten Rollen mit „Ball-Playing Center-Back“ bzw. „Balanced Center-Back“ an, was seinen technischen Qualitäten Rechnung trägt. So gab es in der Saison 2024/25 in der Ligue 1 keinen Innenverteidiger in der Vergleichsgruppe, der in der Kombination aus Defensivzweikampfquote und Anzahl der progressiven Pässe besser abgeschnitten hätte als Faye.
Der Linksfuß spielte in seinen Einsätzen pro 90 Minuten mehr Pässe als 93 % der Innenverteidiger der Ligue 1. Dabei versuchte er stets, den Ball durch seine Passauswahl näher Richtung gegnerisches Tor zu bringen. Obwohl nur 6 % der Innenverteidiger insgesamt mehr Pässe spielten als Faye, kamen 52 % auf mehr Rückpässe zum eigenen Torhüter als er, was seine starke Vorwärtsorientierung zeigt.
Viel Raumgewinn
Der 22-Jährige zählte sowohl bei den raumgewinnenden Pässen als auch bei den Vorwärtspässen und den erfolgreichen Pässen ins letzte Drittel zu den besten 25 % der Innenverteidiger der Ligue 1. Im Bereich des Passspiels fallen nur seine Werte bei den Torschussvorlagen (untere 9 %) und bei der Passgenauigkeit über lange Distanzen (unter 40 % in der Saison 2024/25) negativ auf.
Für Raumgewinn sorgt Faye außerdem durch seine Dribblings. In beiden Saisons im Betrachtungszeitraum verzeichnete er überdurchschnittlich viele progressive Läufe und Beschleunigungen mit Ball. 2024/25 zählte er in der Ligue 1 hier wiederum zu den besten 10 % der Innenverteidiger.
Der Linksfuß verfügt zudem über einen guten Abschluss aus der Distanz und kann so auch das ein oder andere Tor beisteuern. Für die Zweitvertretung des FC Barcelona gelangen ihm in 33 Spielen vier Treffer, darunter auch ein direkt verwandelter Freistoß.
Anpassungsschwierigkeiten
Obwohl Faye auch in der Ligue 1 mehrheitlich überzeugende Performancedaten vorweisen kann, ist es nicht völlig unverständlich, warum er sich bisher nicht auf höchstem Niveau durchsetzen konnte. Im Vergleich zu seiner Zeit bei der Zweitvertretung von Barcelona zeigte sich jedenfalls bei Rennes durchaus, dass er noch Anpassungsschwierigkeiten an das höhere Spieltempo in einer Top 5-Liga hatte. Auch wenn er durch seine Dribblings oft Vorteile für seine Mannschaft herausspielte, war sein Risikobewusstsein bei diesen Vorstößen auf höherem Niveau noch ausbaufähig, sodass er relativ viele Ballverluste zu verantworten hatte. Während er in der 3. Liga in Spanien noch mit wenigen Fouls ausgekommen war, änderte sich das in der Ligue 1 erheblich und er verursachte überdurchschnittlich viele Freistöße für den Gegner.
Großes Potenzial
Nachdem Faye der dritten spanischen Liga schon mit 19 Jahren entwachsen war, sich in einer Topliga aber noch nicht durchsetzen konnte, erscheint sein jetziger Schritt in eine starke zweite Liga folgerichtig. Der Club kann sich dabei auf einen sehr talentierten und vielseitigen Verteidiger freuen, der Potenzial für Höheres mitbringt. In den meisten seiner Einsätze kam Faye als Innenverteidiger zum Einsatz, wobei vor allem seine Zweikampfstärke im Zentrum wertvoll war. Aufgrund seiner Geschwindigkeit und seiner Technik erscheint aber auch ein Wechsel auf die Linksverteidiger-Position denkbar. Dass Sportvorstand Joti Chatzialexiou bei der Bekanntgabe des Wechsels Fayes Variabilität auf der linken Seite betonte, lässt jedenfalls Raum für solche Überlegungen.
Datenquellen: Wyscout / X: @BeGriffis; Concept Scouting
Autorin: Pausenpfiff
Bildquelle: Stream, Ki, FCN, Juwe



Kompliment an Pausenpfiff, die beste Analyse die ich bislang zu Mikayil Faye gesehen und gelesen habe. Mutige Personalie die sich Joti und Miro da geangelt haben, aber es gibt viel zu gewinnen für den Club.