FCN der neue Club Stürmer Sigurd Haugen
Auch im Sturm schreitet die Kaderplanung des 1. FC Nürnberg voran: Der 28-jährige norwegische Mittelstürmer Sigurd Haugen wechselt zum 01. Juli von 1860 München zum Club. Der Topstürmer der Löwen, der in der vergangenen Saison in der 3. Liga 16 Treffer erzielte und 4 vorbereitete, ist aufgrund des Zwangsabstiegs der Münchner ablösefrei.
Der siebenfache frühere U-Nationalspieler Norwegens kann neben Stationen in Norwegen und den Niederlanden auch auf Engagements bei Union St. Gilloise und Aarhus GF zurückblicken. Nach zwei Jahren in der 3. Liga bei Hansa Rostock und den Münchner Löwen folgt nun der nächste Karriereschritt in die 2. Bundesliga.
Zug zum Tor
Haugen verfügt als Mittelstürmer über einen sehr guten Instinkt und bringt sich dadurch häufig in gute Abschlusssituationen. Das drückt sich unter anderem darin aus, dass in der abgelaufenen Drittligasaison kein Stürmer pro 90 Minuten einen höheren xG-Wert (ohne Elfmeter) aufwies als der Norweger. Wenn er in aussichtsreicher Position den Ball erhält, zieht er meistens schnörkellos direkt in Richtung gegnerisches Tor und sucht den Abschluss.
In seiner Saison bei den Löwen zeigte er sich im Ligavergleich auch überdurchschnittlich effizient in der Chancenverwertung, wenngleich er gemessen an seiner Chancenqualität immer noch mindestens ein Tor mehr hätte erzielen können. Dennoch lässt sich in diesem Bereich zuletzt eine erkennbare Steigerung bei Haugen ausmachen, nachdem er im Trikot von Rostock und von Aarhus noch eher verschwenderisch mit seinen Chancen umgegangen war.
Hohe Dynamik
Dem Spiel des 28-Jährigen kommt es entgegen, wenn er mit seiner Dynamik die Tiefe belaufen kann und von seinen Mitspielern steil geschickt wird. Mit seinem Tempo und seiner körperlichen Robustheit ist er für die gegnerischen Verteidiger dann nur schwer aufzuhalten. Haugen zählte in der abgelaufenen Saison zu den 15 % der Stürmer mit den meisten progressiven Dribblings und zu den 10 % mit den meisten Beschleunigungen mit Ball. Gleichzeitig führte er überdurchschnittlich viele Offensivzweikämpfe. Dadurch gelang es ihm immer wieder, sich selbst Chancen zu erarbeiten, womit er diesbezüglich sehr gut in Miroslav Kloses Anforderungsprofil passt.
Da Haugen Abschlussorientierung, Tiefgang und die Fähigkeit zu Positionsrochaden gleichermaßen auf sich vereint, kann er sowohl als alleiniger Mittelstürmer in einer Formation mit Außenstürmern als auch als Teil einer Doppelspitze mit einem kreativen Gegenpart fungieren.
Kein Zielspieler
Demgegenüber präsentierte sich der Norweger bislang nicht als klassischer Zielspieler, der lange Bälle aus der eigenen Abwehr festmacht. Er gewann zuletzt nur unterdurchschnittliche 31 % seiner Kopfballduelle und zählte bei der Passpräzision über kurze und mittlere Distanzen zu den schwächsten 12 % aller Drittligastürmer mit mindestens 900 Spielminuten. Wenn er mit dem Rücken zum Tor von einem Verteidiger bedrängt wird, fehlen ihm ein Stück weit die Ruhe und die Robustheit, um den Ball behaupten zu können.
Wie sich anhand der niedrigen Passquote schon erahnen lässt, ist Haugen kein Edeltechniker, der auch schwierige Bälle in kürzester Zeit verarbeiten kann. Dennoch ist seine Ballannahme in der Regel sauber und er kann sich an einfachen Kombinationszügen problemlos beteiligen. Wenn er im Mittelfeld den Ball bekommt, spielt er im Rahmen des Üblichen auch raumgewinnende Pässe nach vorne.
Kreativität ausbaufähig
Anders als beim reinen Festmachen von Bällen ist Haugens Offensivkopfball im gegnerischen Strafraum überdurchschnittlich stark. So erzielte er immerhin 5 seiner 16 Saisontore per Kopf. Dies dürfte vor allem in seinem guten Gespür dafür begründet liegen, sich im richtigen Moment von seinem Gegenspieler zu lösen und so der direkten Konfrontation beim Kopfball aus dem Weg zu gehen.
Verbesserungswürdig erscheinen beim 28-Jährigen noch die Entscheidungsfindung und das kreative Zusammenspiel mit seinen Mannschaftskollegen im letzten Drittel. Es kommt durchaus vor, dass Haugen den besser postierten Mitspieler übersieht und stattdessen selbst abschließt. Dass er eher der Vollstrecker als der Vorbereiter ist, lässt sich nicht zuletzt daran ablesen, dass er in den letzten Jahren konstant mindestens leicht unterdurchschnittlich viele Torschüsse aufgelegt hat. Dasselbe gilt für seine Werte bei den erwarteten Torvorlagen und den Steckpässen hinter die gegnerische Abwehr.
Fleißiger Stürmer
Haugen ist in seinem Aktionsradius nicht auf den gegnerischen Strafraum festgelegt, sondern geht weite Wege, um für seine Kollegen anspielbar zu sein. Regelmäßig lässt er sich ins Mittelfeld zurückfallen oder weicht auf die Flügel aus, um von dort aus seine Aktionen zu initiieren. Öfter als andere Stürmer bringt er auch Flanken in den gegnerischen Strafraum, wenn er seine Position mit einem Mitspieler getauscht hat.
Fleißig präsentiert sich der annähernd beidfüßige Stürmer außerdem in der Arbeit gegen den Ball, wo er weit überdurchschnittlich viele Defensivzweikämpfe führt. Insgesamt sind zwar sowohl seine Durchsetzungsfähigkeit im Defensivduell als auch sein Stellungsspiel noch ausbaufähig, durch seine Einsatzfreude konnte Haugen zuletzt aber unterm Strich viele Bälle im Angriffsdrittel vom Gegner erobern.
Sinnvolle Verpflichtung
Ob der 28-Jährige in der 2. Bundesliga an seine Leistungen aus der 3. Liga anknüpfen kann, ist aktuell wohl noch nicht sicher zu prognostizieren. In seiner bisherigen Karriere konnte er auf vergleichbarem Niveau nur für eine Halbserie im Jahr 2022 in der ersten Liga Norwegens überzeugen. Ansonsten war er bislang nur in den 2. Ligen in Norwegen und den Niederlanden sowie in der deutschen 3. Liga Leistungsträger. Mit Blick auf seine Dynamik, seine körperliche Robustheit sowie sein Spielverständnis erscheint es aber jedenfalls nicht ausgeschlossen, dass Haugen auch in späteren Karrierejahren nochmal einen Schritt nach vorne machen kann.
Solange der Club nicht alles auf die Karte Haugen setzt, sondern darüber hinaus mit möglicherweise notwendig werdenden Alternativen in die Saison geht, dürfte die Verpflichtung des ablösefreien Norwegers eine sinnvolle Entscheidung sein.
Datenquellen: Wyscout / X: @BeGriffis; Concept Scouting; FotMob
Autorin: Pausenpfiff
Bildquelle/Composing: FCN, Stream, Juwe



Vielen Dank für die sehr schnelle und wie immer ausführliche Analyse unseres neuen Stürmers.
Interessant fand ich auch, über seine Schwächen bzw. Verbesserungspoteziale zu erfahren. Ich hoffe, Miro kann ihn da durch seine Tipps auch noch deutlich besser machen.
Ich bin trotzdem sehr gespannt darauf, wie er sich in der 2. Liga präsentiert und ob er auch bei uns seine Torgefahr zeigen kann.
Vielen Dank für die starke Analyse!
Ja, Haugen zeigt starke Anlagen, man wird sehen, ob er sie auch eine Liga höher auf den Rasen bringt. Da aber eine Grundtugend ligaunabhängig vorhanden ist, nämlich eine gute Geschwindigkeit und Beschleunigung, sollte da schon was gehen. Oft ist es ja so, dass die Stürmer, wenn es schneller und intensiver wird, ihre Gefährlichkeit verlieren, weil sie nicht mehr mitkommen. Das dürfte hier nicht zu befürchten sein…
OT:
Katterbach geht also nach Braunschweig.
Wäre er einer für uns gewesen ?
Darüber wurde hier ja auch diskutiert. Er war einer der Gerüchte als LV. Er wollte aber angeblich nicht zu uns, ist von HSV ein hohes Gehalt gewohnt und hat auch eine Verletzungshistorie und auch wenig Spielzeit