FCN Panikmodus bei den Clubfrauen?
Trainerwechsel im Saisonendspurt
Starke Hinrunde
Mit Siegen gegen den Hamburger SV (2:1), Freiburg, Jena und Frankfurt haben die ClubFrauen in der Hinrunde eigentlich einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht. Der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz (HSV) betrug satte acht Punkte. Mit 15 Punkten stand man zum Hinrundenschluss auf einem respektablen 9. Platz.
Damals orakelte ich kurz vor Ende der Hinrunde: „Gelingt im nächsten Spiel (am 07.12.25 um 18:30) auch noch ein Sieg über den derzeitigen Tabellenletzten SGS Essen, hätten wir bereits so viele Punkte wie am letzten Spieltag der Abstiegssaison 2023/24, also sollte nicht mehr allzu viel schiefgehen. Aber hey, wir sind der Club!
Ja, wir sind der Club!
Anders die Rückrunde, in der dann fast nichts mehr funktionierte. Die Niederlage gegen Union Berlin ist der Anfang, in der Folge gelingt nur noch ein Unentschieden gegen Bremen und als kleines Zwischenhoch der deutliche Sieg gegen Jena. Nach 15 Punkten in der Hinrunde kamen bisher nur 4 (!) weitere hinzu. Die meisten Spiele, gerade gegen Mannschaften auf oder nahe der Augenhöhe sind zwar knapp, aber werden dennoch verloren. Vielleicht auch, weil das Spiel der Cluberinnen längst entschlüsselt war. Hält man Nassi Lein in Schach, gelingt dem Club nicht viel. Ein spielerischer Ansatz ist nicht mehr vorhanden, das Rezept ist der lange Schlag auf unsere schnelle Offensive und das Prinzip Hoffnung.
Klares Profil für die Bundesliga: kampfstarke Kontermannschaft
Ein Resultat des Lernprozesses aus der letzten Bundesligasaison war die klare Anforderung, die Mannschaft durchsetzungsfähiger und widerstandskräftiger zu machen. Das hat zunächst auch gut funktioniert, basierte aber auch auf einem hohen, aggressiven Pressing. Dann können auch überfallartige Angriffe eingeleitet werden. Greift das Pressing nicht richtig, scheint man aber hilflos zu sein, weil man scheinbar jeden spielerischen Ansatz über Bord geworfen hat. Dabei spielte man in der Aufstiegssaison doch noch dominanten Ballbesitz-Fußball, also erzähle mir keiner, dass die Clubfrauen nicht kombinieren könnten…
Gegen Topmannschaften schlägt man sich achtbar…
…weil hier das aggressive Verteidigen wirkt. Teams, die sehr hoch stehen, sind eben auch anfälliger für Konter. Frankfurt musste das in der Hinrunde leidvoll erfahren, werden sich aber sicherlich nächste Woche nicht noch einmal so düpieren lassen. Wie auch gegen Bayern, wo man lange das Spiel offen hält. Aber letztlich setzt sich Qualität eben durch, so dass nichts Zählbares bleibt, ja oftmals am Ende auch die Dämme brechen.
Aber was tun, wenn die Gegnerinnen abwartend und eher defensiv spielen? Langer Schlag in ein dichtes Mittelfeld, in eine Innenverteidigung? Wer soll solche Bälle verarbeiten? Hier rächt sich dann der Verzicht auf eine Zielspielerin, wie Medina Desic, die man weggeschickt hatte. Ja, tatsächlich weggeschickt, weil man einen anderen Ansatz etablieren wollte. Vielleicht hätte sie gegen den HSV helfen können…
Tiefpunkt gegen den HSV
Auch wenn man in der Zusammenfassung nicht sieht, wie schlecht das Spiel eigentlich war, musste man in voller Länge feststellen, dass die Cluberinnen ohne jede Inspiration, ohne Plan und ohne Konzept gegen einen biederen HSV aufgetreten waren. Spielaufbau Fehlanzeige, nach zwei oder drei Pässen in der Innenverteidigung wurde der Ball nach vorne geklopft, in der Hoffnung, dass Nassi Lein etwas damit anfangen kann. Konnte sie tatsächlich ab und an, aber für eine echte Torchance reichte es dennoch nicht, nur ein paar Halbchancen. Dabei darf man Lein überhaupt keinen Vorwurf machen, sie mühte sich redlich uns schier unermüdlich. Aber im Grunde fast schon eine Zumutung, ihr die ganze Bürde aufzulasten.
Schwer zu sagen, ob das Vorgabe war oder ob die Mitspielerinnen einfach keine Verantwortung übernehmen wollten, aber was trainiert der Trainer eigentlich? Nicht im Ansatz ein Kombinationsspiel, gefühlt kommt kein Pass an, der letzte Pass geht sowieso grundsätzlich zu den Gegnerinnen. Resultat: eine unterirdische Passquote von 47% bei 35% Ballbesitz. Die Hamburgerinnen kombinieren tatsächlich sichtbar besser und erreichen immerhin eine Passquote von 71%. Wohlgemerkt, ein Team, das 4 Punkte weniger auf dem Konto hatte und personell sicher nicht stärker besetzt ist.
Logische Konsequenz: Trainerwechsel
Auch wenn es bei den Frauen fremd anmutet, weil dort immer eine hohe Kontinuität herrschte, aber diese Reaktion war aus meiner Sicht notwendig und nachvollziehbar. So eine desolate Teamleistung habe ich noch nie in einem Fußballspiel ertragen müssen. Ich hatte zwar erwartet, dass Osman Cankaya selbst in den Ring tritt, denn immerhin führte er ja einst die Frauen in die erste Liga (Mutig bis zum Schluss), aber auch die Entscheidung für Isabel Bauer, Trainerinnentalent und Eigengewächs, früher auch selbst Spielerin, ist nachvollziehbar. Vor 5 Monaten erst hat sie auch die UEFA A-Lizenz erhalten (als einzige Frau ihres Lehrgangs) und war bisher eher für Spielanalyse zuständig, hat aber als Chefin auch schon die U19 zum Aufstieg geführt. Ich finde es gut, dass man ihr die Chance gibt und wünsche ihr viel Erfolg!
Panikreaktion oder eingehende Analyse?
Osman Cankaya zur Trainerwechsel: „Die Entscheidung basiert auf einer intensiven und längerfristigen Analyse der sportlichen Entwicklung und Perspektive der Mannschaft. Dabei mussten wir feststellen, dass es uns nicht gelungen ist, die notwendige Stabilität sowie gesetzte Maßstäbe konstant zu erreichen. Es ging uns bewusst um die Gesamtbewertung der aktuellen Situation. Mit Blick auf die letzten Spiele halten wir es daher für notwendig, einen klaren Impuls zu setzen…“
Ich weiß nicht, ob diese Kommunikation zur aktuellen Lage passt, den angesichts der Situation mit 3 verbliebenen Spielen, davon eines das „Endspiel“ gegen Essen, wirkt die Maßnahme doch eher nach Angst vor dem Scheitern, aber ich finde schon, dass die Situation schon länger unbefriedigend ist. Solange der Ligaerhalt gesichert schien, scheute man sich wohl vor einem vorzeitigen Wechsel, aber ich denke, den Vertrag mit Oostendorp hätte man ohnehin nicht mehr verlängert.
Hat Oostendorp sich abgenutzt?
Ich war aber ohnehin nicht völlig von Oostendorp überzeugt, der glatte Aufstieg und die gute Hinrunde kamen für mich eher überraschend. Wir haben seit jeher zu viele leichte Ballverluste und ein viel zu schlechtes Passspiel. Wir wirken nach so langer Zeit trotzdem nicht eingespielt, obwohl das Team im Kern zusammengeblieben ist. Dagegen hat die Intensität meistens gestimmt. Immerhin. Gegen den HSV fand ich allerdings auch diese zu wenig. Schwer zu sagen, ob sich der Trainer verschlissen hat, dazu fehlen mir die Internas. Aber ich habe vor längerer Zeit mal ein Training besucht, das ich seltsam langatmig fand. Zu viel Leerlauf, immer wieder standen Spielerinnen rum, ich habe so den richtigen „Zug“ vermisst. Vielleicht kann ja jemand etwas zu neueren Trainingseindrücken sagen.
Fehler im Wintertransferfenster?
Die Abgänge von Wos und Rusek wurden als alternativlos verkauft, aufgrund der guten Einnahmen, aber ihr Fehlen als defensive Fixpunkte hat sich womöglich gerächt. Rusek wird zwar von Romero ordentlich ersetzt, aber ich denke, ihre positiv verrückte Art fehlt auch in der Kabine. Wos wirkte weniger integriert, aber sportlich einfach wichtig. Nicht nur in der Defensive, auch mit starken Standards und beim Spielaufbau.
Varley ist mit ihrer Körperlichkeit in der Luft und auch am Boden eine echte Waffe, die ihre Gegnerinnen manchmal einfach abräumt, aber im Spielaufbau fehlt es eben noch. Emöke Papai dagegen scheint schon eine Verstärkung zu sein, aber bei diesem Spielansatz kommt sie einfach nicht zur Geltung. Romero hat mich positiv überrascht. Ich fand ihren Pokalauftritt nicht gut, weil sie für mich an den Gegentoren mit Schuld war, aber im
Ligabetrieb macht sie es sehr ordentlich.
Schwerer wiegt vielleicht das Verletzungspech, dass mit Fröhlich nicht nur eine starke Verteidigerin, sondern auch unsere beste Fußballerin in der IV ausgefallen ist, und zeitweise auch Fördös. Gerade Fröhlich hätte ich als annähernd gleichwertigen Ersatz für Wos angesehen.
Woran hakt es also?
Letztlich denke ich, unser Problem liegt nicht beim Personal, sondern beim System und somit war der Trainerwechsel alternativlos. Ich hoffe Isabel Bauer kann wieder ein wenig Spielkultur und dadurch vielleicht auch Spielfreude vermitteln. Und Mut, mit dem Ball zu spielen, anstatt ihn möglichst schnell wegzuschlagen. Gerade Lein sah man im HSV-Spiel auch an, wie frustriert sie war.
Wie geht es weiter?
Gut ist, dass die Mädels zuerst gegen Frankfurt antreten müssen, so hat man etwas Zeit für neue Trainingsinhalte und kann vielleicht auch manches im Ernstfall testen, bevor das Endspiel gegen Essen folgt. Gewinnt man das, dürfte der Klassenerhalt besiegelt sein, vielleicht reicht auch ein Unentschieden. Allerdings hat Essen das deutlich „leichtere“ Restprogramm. Aber was ist schon leicht, wenn man auch nur 6 Punkte in der Rückrunde gesammelt hat.
Ja, man steht noch 4 Punkte vor Essen und einen vor dem HSV. Aber wer sagt, dass beide nicht mehr punkten? Wir haben es selbst in der Hand, also bagg mers!
Und sonst so?
…ist erst mal Derby Time! Auch da muss ein Sieg her, aber auf keinen Fall eine Niederlage.
Und am Montag steigt das erste Spiel für Isabel Bauer und die Clubfrauen gegen Frankfurt. Wenn ich mich nicht täusche (Montagsspiele) müsste es das auch im Free-TV geben.
Autor: Optimist
Bildquelle/Composing: FCN, Juwe


Vielen Dank Optimist für diesen interessanten Bericht. Ich verfolge die Damen hauptsächlich von den Ergebnissen und habe erst ein Spiel in größeren Teilen gesehen. Daher sind Deine Beobachtungen über mehrere Spiele sehr interessant. Leider sind bei den Damen ja die Unterschiede noch sehr viel stärker ausgepägt als bei den Männern( FCB/VW/Kohle und so). Daher wäre der Klassenerhalt schon sehr wichtig um ggf. zumindest ein “etablierter Bundesligist” zu werden und nicht Richtung Fahrstuhlmannschaft abzugleiten.
Jawohl. Wird im Free TV übertragen. Am Montag (04.05.) ab 17.45 Uhr in Sport1. Da kommt was auf unsere Abwehr zu mit Anyomi, Freigang, Reuteler und Blomqvist.
Die Situation würde ich trotz der noch 4 Punkte Vorsprung als brisant einstufen. Das Momentum ist bescheiden. Man hat verlernt, ein Spiel zu gestalten. Und Essen spielt noch zuhause gegen die auswärts dieses Jahr arg schwachen Freiburgerinnen. Dass die von Wück verschmähte Fudalla in Nürnberg geboren wurde, wusste ich nicht, danke für die Info, @Hendrik. Jedenfalls kann sie Schützenhilfe leisten als Spielerin von Bayer 04 Leverkusen in Essen.
Endspiel gegen Essen? Ist wohl so. Da stimme ich den Clubfrauen-Experten @Optimist und @Glubbzilla zu. Hätte auch nicht damit gerechnet, dass es noch einmal so eng werden könnte. Aber das gilt wirklich unisex: Beim Club darf man sich niemals zu sicher sein.