FCN Energiebündel Tom Baack im Re-Check
Nachdem er nach der Hinrunde schon fast als Fehlverpflichtung galt, hat sich Tom Baack in den letzten Wochen in der Startelf des FCN festgespielt. Der umtriebige Mittelfeldspieler überzeugt derzeit mit konstant guten Leistungen und konnte kürzlich auch sein erstes Tor für den Club bejubeln. Die Bereiche, die er nach den Ideen von Miroslav Klose im Nürnberger Spiel abdecken soll, weisen dabei erkennbare Abweichungen zu dem Profil auf, durch das er sich beim SC Verl ausgezeichnet hat.
Spielgestalter in Verl
Baacks Rolle beim Club unterscheidet sich spürbar davon, wie er noch in der Vorsaison in Verl eingesetzt wurde. Dort war er ein zentraler Baustein des ballbesitzorientierten Ansatzes von Trainer Alexander Ende. Kein zentraler Mittelfeldspieler mit mindestens 900 Einsatzminuten empfing in dieser Saison mehr Pässe pro 90 Minuten als Baack. Mit einer Passgenauigkeit von über 90 % über kurze und mittlere Distanzen war er dabei stets ein zuverlässiger Anker im Kombinationsspiel seiner Mannschaft.
Er suchte aber nicht nur die sichere Lösung, sondern zeigte sich durchaus kreativ in seinen Entscheidungen. So zeichnete er sich etwa durch viele Schnittstellenpässe hinter die gegnerische Abwehr aus und zählte zu den 11 % der zentralen Mittelfeldspieler der 3. Liga mit den meisten erfolgreichen progressiven Pässen. Im gegnerischen Strafraum trat er dagegen vergleichsweise selten in Erscheinung.
Andere Rolle beim Club
Beim Club soll Baack dagegen bislang nicht zu einem dominanten Ballbesitzfußball beitragen oder für viele kreative Lösungen im Aufbau sorgen. Dementsprechend verzeichnet er aktuell nur knapp halb so viele Ballberührungen pro 90 Minuten wie beispielsweise Finn Ole Becker. Auch die Zahl seiner progressiven Pässe ist im Vergleich zur Vorsaison um mehr als 40 % zurückgegangen.
Während er 2024/25 noch zu den besten 4 % der zentralen Mittelfeldspieler der 3. Liga bei der Passquote über kurze und mittlere Distanzen zählte, bewegt er sich hier in der 2. Liga bislang deutlich unter dem Durchschnitt. Neben den höheren Anforderungen in der neuen Spielklasse könnte das auch damit zusammenhängen, dass er seine Pässe beim Club seltener als zuvor im tiefen Aufbau spielen kann, wo der Gegnerdruck meist noch nicht so hoch ist.
Offensive Präsenz
Mit seinem guten Gespür für das richtige Timing sorgt Baack stattdessen vor allem im letzten Drittel für Gefahr. Er kommt überdurchschnittlich oft im gegnerischen Strafraum an den Ball und beweist dort regelmäßig seine Fähigkeit, die richtige Entscheidung unter Druck zu treffen. Obwohl er insgesamt nicht für auffällig viele Schussvorlagen verantwortlich ist, kommt er doch auf einen sehr hohen Wert im Bereich der statistisch erwartbaren Assists. Das zeigt, dass er über eine sehr gute Spielübersicht verfügt und seine Mitspieler oft gerade dann einsetzt, wenn sie sich auch tatsächlich in einer vielversprechenden Abschlussposition befinden.
Dass seine Chancenverwertung ebenfalls zu den besten der 2. Liga zählt, unterstreicht seine Begabung dafür, Situationen schnell richtig einzuschätzen. Die Qualität seiner Steckpässe hinter die gegnerische Abwehr hat auch eine Liga höher nicht abgenommen, sodass der 27-Jährige vergleichsweise oft zur Entstehung von Toren beiträgt, sei es durch Assists oder Pre-Assists.
Einsatzfreudig
Wertvoll für die Mannschaft ist neben seinem offensiven Impact vor allem sein Einsatzwille. Baack gehört zu den laufstärksten Spielern beim Club und spult regelmäßig über 12 km pro Spiel ab. Während der Mittelfeldmotor vergleichsweise wenige Pässe abfängt, zeigt er dafür eine hohe Bereitschaft, defensive Zweikämpfe zu bestreiten. Seine Zweikampfquote von nur 41 % ist insgesamt noch ausbaufähig, wobei sich diese Quote zu einem guten Teil aus seiner wenig ausgeprägten Durchsetzungsfähigkeit in Offensivduellen speisen dürfte. Deutlich verbessert hat sich Baack im Vergleich zur Vorsaison in Luftduellen: Zählte dieser Bereich in Verl noch zu seinen Schwächen, gewinnt er prozentual inzwischen mehr Kopfballzweikämpfe als 85 % der Spieler auf seiner Position.
Gelungener Transfer
Während er in seinen ersten Einsätzen für den Club noch überfordert mit dem höheren Tempo in der 2. Liga wirkte und sich im Zweikampf leicht abkochen ließ, hat sich Baack inzwischen zu einem verlässlichen Zweitligaspieler entwickelt. Somit kann er als Beispiel dafür dienen, dass man als Fan manchmal vielleicht etwas geduldiger mit Neuzugängen sein sollte, die sich in einer neuen Liga noch zurechtfinden müssen. Gerade vor dem Hintergrund, dass er im Sommer ablösefrei zum Club gewechselt ist, kann man seine Verpflichtung zum jetzigen Zeitpunkt aber als rundum gelungen ansehen.
Datenquellen: Wyscout / X: @BeGriffis; Sofascore; FotMob
Autorin: Pausenpfiff
Bildquelle/Composing: FCN, Stream, Juwe



Es ist immer wieder ein Hochgenuss, Deine profunden Analysen und Schlußfolgerungen aus den Daten zu ziehen. Vielen Dank dafür!
Volle Zustimmung, dass man als Clubfan lernen sollte, geduldiger zu werden. Das trifft sicher nicht nur auf Baack zu. Man kann an vielen Stellen sehen, wie sich schrttweise vieles zum Positiven entwickelt hat.
Daumen runter? Kann sich nur auf Teil 2 deines Kommentars beziehen. Teil ist mMn völlig unstrittig!
Dass mit der Geduld als Clubfan ist so eine Sache. Einerseits sind wir alle schon sehr geduldig geworden, ertragen die jährlichen Aufbauversuche viel unaufgeregter als früher. Den Aufstieg als unbedingtes Saisonziel haben wir seit Jahren von der obersten Schublade in die Schrankmitte gepackt. Irgendwann wollen wir mal wieder um den Aufstieg mitspielen, Irgendwann…
Bei Baack war unser Urteil relativ schnell gefällt. Vielleicht kein kompletter Fehlkauf, aber sicher keinesfalls eine Verstärkung. Inzwischen ist er, so finde ich, einer der 3 stärksten Spieler unserer Rückrunde und könnte gar in der 1. Liga Begehrlichkeiten geweckt haben. Bei ihm haben wir nicht genug Geduld bewiesen. Wir dürfen halt nie vergessen, dass es sich bei den Spielern um Menschen handelt. Die eine gewichtige Umstellung ihrer Lebensverhältnisse unterschiedlich schnell verkraften. Es gehört zwar zum Beruf des Profifußballers dazu, spontan und häufig den Wohnort und Arbeitsplatz zu wechseln. Dennoch fällt es nicht jedem leicht.
Unser Problem war wohl eher, dass zu viele Neuzugänge sich nicht schnell genug akklimatisiert haben und nicht zum Leistungsträger wurden. Baack hat mich inzwischen überzeugt. Ihn würde sehr gerne längerfristig am Valze sehen!
Und die Daumen-nach-unten-Person hat wieder eine qualifizierte Meinung kund getan.
Schade, daß die Begründung oder der abweichende Standpunkt nicht nachvollziehbar und verständlich ausformuliert wurde.
Von mir ein Daumen nach oben 👍.
Pausenpfiff hat es gut herausgearbeitet, die zeitliche Verzögerung, bis die Leistungskurve nach oben ging, hing bei Tom Baack mit der neuen Rolle zusammen. die er im Vergleich zum SC Verl erst adaptieren musste. Bin da auch bei block4 ..die schnellen Wechsel von Lebensort und beruflicher Herausforderung und möglichst sofort funktionieren müssen sind sicherlich komplexer als man es als Fan wahrnimmt, weil man ja nur die Einsatzzeiten und Spiele sieht.
Tom Baack kommt vermutlich aus der Zeitkapsel. Frisur, Schnäuzer und seine coole Art deuten ganz klar auf die 80er hin. Ansonsten kann ich mich eigentlich nicht mehr so richtig an die 80er erinnern, denn:
“Wer sich an die 80er erinnern kann, hat sie ned erlebt.” (Falco)
Der Traditionsverein aus seiner Heimatstadt Essen wollte ihn ja laut Medienberichten im Winter. Aber Joti hat richtigerweise gleich abgewunken. Denn Baack hat nämlich schon vor der Winterpause gezeigt, dass er für uns ein sehr wichtiger Kaderspieler sein könnte.
Und zwar beim 2:1-Erfolg über Hannover 96 als Ersatz für Markhiyev. Wenngleich er auch auf der Sechs eher Staubsauger denn Spielgestalter war. Ich finde ja Arbeitsbienen wie Baack, grad in dieser Liga, wichtig.
Mich erinnert Baack irgendwie optisch stark an Jörg Dittwar … zumindest der gleiche Frisur Geschmack.
Bei Baack hatte ich, selbst ich, die Hoffnung verloren. Zu unsicher waren mir die ersten Auftritte.
Diese Entwicklung habe ich nicht erwartet, umso mehr freut sie mich.
Als Nichtskönner, nicht geeignet usw hab ich ihn und hätte ich ihn trotzdem nicht bezeichnet.
Vielen Dank für die tolle Analyse!
Ja, auch ich habe Baack unterschätzt. Ich bin ja ohnehin keiner, der eigene Spieler niedermacht, aber Baack habe ich nach den ersten Eindrücken bestenfalls für einen Ergänzungsspieler gehalten, der nur bei vielen Ausfällen Spielzeit bekommen würde.
Was mich bei Baack besonders beeindruckt, ist, dass er trotz veganer Ernährung einer der fittesten und ausdauernsten im Team ist. Man kann also auch ohne tierische Produkte Spitzenleistungen im Leistungssport bringen! Ich mag es, wenn Spieler was in der Birne haben und zu ihren Überzeugungen stehen. Vor allem, wenn es nicht nur um überhöhte Religiosität geht.
Mich interessiert das natürlich v.a. deswegen, weil ich selbst vegan lebe und weiß, dass man z.B. eine zusätzliche Vitamin B12-Quelle braucht und wie schwierig es manchmal sein kann, etwas geeigentes zum Essen zu finden 😉
Der Schwergewichts Word Champion in MMA Stephan Pütz ein deutscher lebt auch Vegan und zermürbt alle seine Gegner im Käfig, weil er die beste Cardio also Ausdauer hat. Er schwört auf literweise Rote Beete Säftes selbst gepresst im Slow Juicer jeden Tag. Für Leistungssportler ist vegan ein interessantes Modell, für mich käme es allerdings NIE in Frage. https://www.youtube.com/watch?v=u7ZiUNBtCBk ab und zu auf hochwertiges Fleisch aber hier nur vom Innungsmetzger würde ich nie darauf verzichten wollen. Ebenso nicht auf Milchprodukte usw.
Zoma und Nzingoula ein Traumpaar, wenn wir die beide nur halten könnten…. 0:1 FCN