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FCN Neuer Innenverteidiger Styopa Mkrtchyan

Nachdem der Club mit Robin Knoche, Ondrej Karafiat und Tim Drexler drei gelernte Innenverteidiger abgegeben hat, wurde nun die dringend nötige Verstärkung auf dieser Position verpflichtet: Vom kroatischen Verein NK Osijek wechselt der 22-jährige Armenier Styopa Mkrtchyan zum Club.

Mkrtchyan wurde bei Ararat-Armenia ausgebildet, war jedoch nur für ein halbes Jahr Teil des Profikaders beim armenischen Spitzenverein. Erfahrung in der ersten armenischen Liga sammelte er hauptsächlich als Leihspieler beim Abstiegskandidaten ZSKA Erewan. Von dort aus ging es im Sommer 2023 weiter zu NK Osijek, wo er sich schließlich im Frühjahr 2025 einen Stammplatz erkämpfte.

Gutes Timing

Mkrtchyans größte Stärke scheint sein aufmerksames, aggressives Verteidigen im direkten Duell zu sein. Er antizipiert frühzeitig die Passwege des Gegners und setzt seinen Gegenspieler oft schon bei der Ballannahme unter Druck. In der laufenden Saison zählt er ballbesitzbereinigt zu den 30 % der Innenverteidiger der ersten kroatischen Liga, die die wenigsten gegnerischen Pässe abfangen. Daran zeigt sich, dass Mkrtchyan wenig Risiko dadurch eingeht, dass er aus der letzten Linie herausrückt, um den Gegner gar nicht erst an den Ball kommen zu lassen. Stattdessen verlässt er sich auf sein exzellentes Timing, wenn es darum geht, beim Pass- oder Schussversuch des Gegenspielers rechtzeitig seinen Fuß dazwischen zu bekommen. Dementsprechend blocken nur 5 % aller Innenverteidiger mehr Schussversuche als er.
Ausbaufähiges Zweikampfverhalten

Verbesserungswürdig erscheint dagegen das Zweikampfverhalten des 22-Jährigen. In der laufenden Saison gewinnt er nur unterdurchschnittliche 65,38 % seine Defensivduelle und schwache 44,3 % seiner Kopfballduelle. Dass er das mit seiner Größe von 1,90 Metern eigentlich besser kann, beweist dagegen die letzte Saison, in der er fast 60 % seiner Luftduelle für sich entscheiden konnte. Mit 7,4 Defensivaktionen pro 90 Minuten bewegt sich Mkrtchyan ebenfalls leicht unter dem Ligadurchschnitt. Zudem gehört er zu den Innenverteidigern in der kroatischen HNL, die die meisten Fouls begehen und am häufigsten verwarnt werden. Um in der 2. Liga Fuß zu fassen, wird im Bereich der defensiven Durchsetzungsfähigkeit also noch eine Steigerung nötig sein.

Solides Ballbesitzspiel

Mit dem Ball am Fuß findet der 23-fache armenische Nationalspieler meist solide Lösungen. Für die Entwicklung dieser Fähigkeit ist es hilfreich, dass Osijek trotz der aktuell bedrohlichen Tabellensituation nicht zu den Klubs gehört, die den Ball ausschließlich dem Gegner überlassen. Mkrtchyan sorgt nur selten durch Dribblings für vertikalen Raumgewinn, was als Innenverteidiger im System von Miro Klose aber auch nicht zwingend erforderlich ist. Dennoch schafft er es in der laufenden Saison durch cleveres Verhalten überdurchschnittlich oft, Freistöße für sein Team herauszuholen.

Verlässliches Passspiel

Im Passspiel weist der Linksfuß überwiegend ähnliche Werte zu denen von Fabio Gruber und Luka Lochoshvili auf, mit der Ausnahme, dass der Armenier in der laufenden Saison mehr erfolgreiche progressive Pässe spielt. Die Passquote insgesamt (Gruber 84 % – Lochoshvili 86 % – Mkrtchyan 84 %) ähnelt sich bei den drei Innenverteidigern ebenso wie die Erfolgsquote bei den langen Pässen (44 % – 40 % – 43 %). Bei der Präzision der progressiven Pässe schneidet Mkrtchyan mit 58 % aber sogar deutlich besser ab als unsere aktuellen Innenverteidiger mit 41 % (Gruber) bzw. 42 % (Lochoshvili), was für das Spielverständnis des 22-Jährigen spricht.

Wenige Ballberührungen

Umstellen muss sich der armenische Nationalspieler künftig dahingehend, dass er bei seinem bisherigen Klub weniger in den Spielaufbau einbezogen war, als das beim Club wohl der Fall sein wird. Während Gruber und Lochoshvili pro Partie auf deutlich mehr als 60 Ballberührungen kommen, waren es bei Mkrtchyan zuletzt nicht einmal 50. Bei Osijek läuft im Spielaufbau offenbar viel über seinen spielstarken Partner in der Innenverteidigung, Luka Jelenic.

Fleißiger Spieler

Mit Mkrtchyan bekommt der Club einen noch jungen und entwicklungsfähigen Innenverteidiger, der schon einiges an internationaler Erfahrung sammeln konnte. Laut seinen Leistungsdaten war der 22-Jährige bei seinen bisherigen Stationen zwar nirgendwo ein Überflieger, hat sich aber kontinuierlich von einem Abstiegskandidaten in der schwachen armenischen Liga zum Stammspieler eines etablierten Vereins der ersten Liga in Kroatien hochgearbeitet. Der stetige Wille zur Verbesserung, der sich an diesem Karriereweg ablesen lässt, gibt Grund zur Hoffnung, dass sich Mkrtchyan auch beim Club noch weiterentwickeln wird.

Da angesichts der starken Leistungen von Lochoshvili nicht damit zu rechnen ist, dass der Armenier in nächster Zeit zum Stammspieler wird, wirft die kolportierte Ablösesumme in Höhe von 750.000 Euro Fragen auf. Dennoch bringt Mkrtchyan gute Anlagen mit, die es jetzt weiterhin zu fördern gilt.

Datenquellen: Wyscout / X: @BeGriffis, Sofascore

Autorin: Pausenpfiff
Bildquelle: 1. FCN, Juwe

 

8 thoughts on “FCN Neuer Innenverteidiger Styopa Mkrtchyan

  • Wenn ich deine Vorstellung richtig interpretiere, Pausenpfiff, mag Mkrtchyan aktuell noch kein Upgrade zu Karafiat/Knoche sein. Der Club sieht jedoch das Potential, dass er sich noch zu einem entwickeln wird. Ansonsten hätten wir nicht soviel Geld in die Hand genommen. Ist und wird spannend.

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    • Avatar Pausenpfiff

      So würde ich das auch sehen. Eine Beurteilung ist natürlich schwierig, ohne ihn schon mal im Verein spielen gesehen zu haben, aber zumindest kommen seine Zweikampfdaten bisher nicht an die von Gruber und Lochoshvili ran. Bin gespannt, ob und wie schnell er sich da adaptiert.

      Ich glaube ja schon, dass er ein solider IV ist und auch noch in Richtung Startelf entwickelt werden kann. Die hohe Ablöse dafür, dass er Stand jetzt wahrscheinlich noch nicht auf dem entsprechenden Level ist, erscheint mir aber schon ein bisschen riskant.

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      • Avatar Clubfanseit1982

        Riskant ja, aber vermutlich haben sie einfach keine Alternativen mehr gehabt. Wir mutmaßen ja viel. Wäre spannend, wenn man den Beteiligten über die Schulter schauen könnte.
        Vorsichtig ausgedrückt: in dieser Transferperiode könnte man einiges wieder als suboptimal bezeichnen. Vorsichtig ausgedrückt.

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  • Puh. Ja. Auch vor dem Hintergrund der Daten ist das schon gesalzen, was der Club an Ablöse bezahlt für Mkrtchyan. Da ist natürlich ein kräftiger Deadline-Day-Aufschlag dabei.

    Mkrtchyan ist als IV 3 quasi der Nachfolger von Knoche. Ich kann auch jeden verstehen, der Knoche vermisst. Dem Vernehmen nach hatte Knoche aber noch einen Vertrag bis 2027, also noch eineinhalb Jahre. Und wenn ein Verein kommt wie Pokalfinalist Bielefeld, der sich Knoche leisten kann, dann musst Du einen derart teuren Bankspieler ziehen lassen – auch wenns bitter ist, denn er war ein durchaus ordentlicher Kapitän.

    Mit Mkrtchyan hat man jetzt eine spannende Lösung gefunden, wie ich finde. Ob man in Paderborn jetzt mit Buchmann oder Mkrtchyan spielt – keine Ahnung. Für beide ist es ein absoluter Kaltstart. Wenngleich Buchmann schon länger mit der Mannschaft trainiert.

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  • Avatar Torschusspanik

    Danke für die sehr aufschlussreiche Analyse unseres neuen IV, liebe Pausenpfiff!

    Mir erscheint der Preis für unseren Neuzugang auch extrem hoch verglichen mit seinen aktuell unterdurchschnittlichen Defensivleistungen.

    Ich hoffe, er hat wirklich noch ein hohes Entwicklungspotenzial und man konnte zumindest sein Gehalt im Vergleich zu Knoche und Co senken. Wenn man allerdings last minute einkauft, dann sind die Preise extrem teuer.

    Ich glaube, dass am Samstag Buchmann in der Startelf stehen wird.
    Ein nicht eingespielter IV wäre mir viel zu risikoreich.

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    • Ich würde mal schätzen, dass Mkrtchyan in der Gehaltsklasse von Karafiat anzusiedeln ist. Bei Drexler dürfte Hoffenheim einen guten Teil übernommen haben. Und Knoche war bekanntlich Top-Verdiener.

      Geschätzt sparen wir 1 Mio. im Jahr durch diesen (nicht geplanten) Move an Gehalt ein. Aber wir verschlechtern uns natürlich auch, denn Knoche war eine absolute Bank, wenn er von der Bank kam. Drexler war ein wichtiger Kaderspieler. Und Karafiat hat sein Zeug immer gemacht.

      Positiv wiederum: Mit Mkrtchyan hat man mehr Perspektive und auf Sicht vielleicht auch eine deutliche Marktwert-Steigerung.

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  • Interessant finde ich, dass Joti meinte, dass der vorher Spieler ausführlich gescoutet wurde – die B*** meinte dazu, dass sie sich nicht vorstellen könne, dass man den Spieler noch scouten konnte.

    Lt. Jotis Aussage und den vorliegenden Daten verwundert es dennoch, dass man für einen Spieler, der gerade mal 12 Monate in der kroatischen Liga auf dem Buckel hat und lt den Stats mit noch nicht wirklich überzeugenden Werten aufwarten kann, 800k hinblättert. Da müssen die Verantwortlichen viel Potential eingepreist haben.

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  • Avatar Torschusspanik

    Mir fällt auch auf, dass bei unseren Frauen aktuell auch extrem viele Wechsel stattfinden.
    Ich befürchte fast, Joti hat die vielen gleichzeitigen Aufgaben etwas unterschätzt und diese vielen Wechsel kosten mehr Aufmerksamkeit als geplant und die Zeit fehlt dann für die Planung und Umsetzung bei den Herren.

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